Wirtschaft : Doc Morris darf Filiale wieder öffnen Versandapotheke erringt Etappensieg

-

Berlin - Es ist ein langer Kampf, in dem die Versandapotheke Doc Morris gerade wieder eine Runde gewonnen hat. Der aufmüpfige Holländer darf seine einzige Filiale in Deutschland wieder öffnen, die er erst im September auf Anordnung eines Gerichtes schließen musste. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Saarlouis am Montag in einem Eilverfahren entschieden. Die Filiale wird nach Angaben von Doc-Morris-Chef Ralf Däinghaus sofort wieder geöffnet.

Trotzdem ist das letzte Wort in dem Streit noch lange nicht gesprochen. Eine endgültige Entscheidung werde erst im Hauptverfahren fallen, sagte eine Justizsprecherin gestern. Rechtsexperten erwarten ein mehrjähriges Verfahren.

Die Entscheidung wird auch deshalb mit Spannung erwartet, weil es sich um einen Präzedenzfall handelt. Sollte Doc Morris am Ende Recht bekommen, könnte das ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Öffnung des deutschen Apothekenmarktes sein. Der Widerstand der Apotheker ist entsprechend groß.

Doc Morris hatte Anfang Juli 2006 die Erlaubnis der saarländischen Landesregierung bekommen, eine Niederlassung in Saarbrücken zu eröffnen, rezeptfreie Medikamente sollten dort deutlich günstiger als üblich verkauft werden – was den Apothekern nicht passte. Einzelne Berufsvertreter und Verbände klagten und bekamen zunächst Recht. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Saarlouis hatte die Landesregierung die Doc Morris-Filiale am 14. September vorübergehend schließen lassen.

Jetzt entschied das Gericht, dass Doc Morris die Apotheke betreiben darf. Bislang gilt in Deutschland die Regel, dass Kapitalgesellschaften keine Apotheken kaufen dürfen und ein Apotheker maximal vier Filialen haben darf. Das Gericht vertritt die Meinung, dass laut EU-Recht Kapitalgesellschaften in der gesamten EU Niederlassungsfreiheit genießen. pet

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben