Wirtschaft : Doc Morris startet zweiten Versuch

Holländische Versandapotheke plant 500 Partnerschaften mit Apotheken – Preise könnten sinken

Maren Peters

Berlin - Das neue Leben kam unangemeldet. „Im November stand plötzlich ein Vorstandsmitglied von Doc Morris in meiner Apotheke“, sagt Antoinette Angel. „Ich wusste nicht mal, wer das ist.“ Einen guten Monat später hat sich für die Apothekerin aus dem saarländischen Provinznest St. Wendel eine ganze Menge verändert. Die ehemalige Luisenapotheke, die ihr Vater vor 44 Jahren gegründet hatte, heißt jetzt Doc-Morris-Apotheke. Und Frau Angel ist plötzlich berühmt. In ganzseitigen, bundesweit geschalteten Anzeigen gratulierte die holländische Versand-Apotheke ihr gestern zur neuen Kooperation – und lud die deutschen Apotheker gleich ein, ihrem Beispiel zu folgen.

Doc-Morris-Gründer Ralf Däinghaus hat damit einen neuen Vorstoß auf dem deutschen Apothekenmarkt gestartet – gerade vier Monaten, nachdem ein Gericht die erste Doc-Morris-Apotheke in Saarbrücken zur Schließung gezwungen hatte (siehe Kasten). Diesmal setzte der umtriebige Unternehmer auf ein anderes Geschäftsmodell: Die Apotheke bleibt im Besitz von Antoinette Angel, einer zugelassenen Apothekerin. Sie verkauft ihre Arzneimittel aber künftig unter dem weiß-grünen Logo von Doc Morris, nutzt die Vorteile der Einkaufsgemeinschaft und zahlt dafür eine feste Lizenzgebühr. „Ich tue nichts Unrechtes“, betont die 40-Jährige, die sich in der 11 000-Einwohner-Stadt St. Wendel gegen sieben Konkurrenten behaupten muss.

Nach diesem Modell will der holländische Versandhändler in den kommenden drei bis fünf Jahren 500 Apotheken in Deutschland zu Lizenz-Partnern machen, wie Däinghaus im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigte. Die nächste werde in der kommenden Woche in Norddeutschland eröffnet, kündigte er an.

Der neue Wettbewerber könnte den Markt für verschreibungsfreie (so genannte OTC-)Medikamente kräftig in Bewegung bringen. „Die Preise werden rutschen“, sagte Däinghaus. Verbraucherschützer wie Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sehen das ähnlich. „Wenn das klappt, ist das sehr positiv“, sagte er. Seit 2004 lasse der Gesetzgeber zwar einen Preiswettbewerb bei den OTC-Mitteln zwar zu; Stichproben hätten aber ergeben, dass es bei weit über 90 Prozent der Produkte keine Preisunterschiede gebe. „Die Apotheker leben ihre Freiheiten nicht“, sagte Schuldzinski.

Die Statistik bestätigt das. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IMS Health sind die Durchschnittspreise in der Apotheke bei frei verkäuflichen Medikamenten im vergangenen Jahr sogar gestiegen. Im letzten Quartal 2005 lag der Durchschnittspreis noch bei 7,90 Euro, im dritten Quartal 2006 bei 8,15 Euro.

Der Bundesverband Deutscher Apothekerverbände (Abda), der den Versandhandel ablehnt, gab sich betont gelassen. „Einkaufsgemeinschaften sind üblich auf dem deutschen Markt“, sagte Abda-Sprecherin Annette Rogalla angesichts des Vorstoßes. Sie verwies auf eine Studie, wonach Verbraucher den Versandhandel mit Pillen immer weniger akzeptierten. Doc Morris suche offensichtlich nach einem anderen Betätigungsfeld, nachdem klar sei, dass der Versandhandel nicht den erhofften Gewinn abwerfe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar