Wirtschaft : Doch kein Wüstenstrom für Europa

Bei Desertec macht sich Ernüchterung breit.

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Windpark in Tanger. Die Windräder an der marokkanischen Küste sind Teil des Energienetzwerks, das Desertec knüpfen will. Marokko spielt bei diesen Plänen eine große Rolle. Foto: pa/dpa
Windpark in Tanger. Die Windräder an der marokkanischen Küste sind Teil des Energienetzwerks, das Desertec knüpfen will. Marokko...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Zuletzt war es etwas still geworden um das Wüstenstromprojekt Desertec – zumindest gemessen an der Aufmerksamkeit, die die Desertec-Stiftung erregte, als sie im Sommer 2009 mit einigen der größten Industriekonzernen Europas ein Konsortium gründete, die Desertec Industrial Initiative (Dii). Das gemeinsame Ziel klang spektakulär: Die Unternehmen wollten darauf hinarbeiten, dass im Jahr 2050 in den Wüsten Nordafrikas so viel Grünstrom erzeugt wird, dass nicht nur die Länder ihren Eigenbedarf decken können, sondern auch bis zu 15 bis 20 Prozent des EU-Bedarfs. Die gigantisch große Summe von 400 Milliarden Euro sollte investiert werden – in solarthermische Kraftwerke zum Beispiel. Mithilfe der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) sollen Strommengen möglichst verlustarm über das Mittelmeer transportiert werden.

Nun aber ist Ernüchterung eingetreten. Im November zogen sich mit den Technologiekonzernen Siemens und Bosch gleich zwei wichtige Gesellschafter aus Desertec zurück. Und jetzt kassierte Paul van Son, der Geschäftsführer der Dii, im Prinzip das Ziel, überhaupt Strom nach Europa zu liefern. Der ursprünglich definierte Fokus sei „zu eindimensional gedacht“, zitierte ihn der Energieinformationsdienst Euractiv. Nur ein Bruchteil des Wüstenstroms werde nach Europa transportiert. Die EU-Länder könnten 90 Prozent ihres Grünstrombedarfs selbst decken, teilte van Son mit.

Am kommenden Mittwoch tagen die Gesellschaftervertreter der Dii und werden – wie bereits am Sonnabend berichtet – wohl abschließend über die Aufnahme des größten chinesischen Stromnetzbetreibers State Grid Corporation of China (SGCC) in ihre Reihen beraten. Bei dem Konzern war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen, und auch im Gesellschafterkreis hält man sich bedeckt. Mitglieder von Desertec sind Dax-Konzerne wie Eon, RWE, Deutsche Bank und Munich Re sowie ABB (Schweiz) und Abengoa (Spanien).

Bei einem Unternehmen aus dem Gesellschafterkreis hieß es, im Prinzip seien alle Gesellschafter für den Einstieg der Chinesen. Befürchtungen, SGCC trete nur ein, um Know-how abzugreifen, seien unbegründet. Dazu müsse man sich nicht an Desertec beteiligen. Alle Gesellschafter seien sich „mehr oder weniger“ einig, dass die Chinesen eine Bereicherung seien. „Außerdem hieß es bei der Gründung 2009, dass wir offen für alle ernsthaften Interessenten sein wollen“, sagte ein Insider.Kevin P. Hoffmann

Strom aus den Wüsten Nordafrikas? Was sich in den Ländern des Arabischen Frühlings sonst noch tut, lesen Sie auf Seite 22. Zur Annäherung zwischen Marokko und Algerien siehe Meinungsseite.

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