Wirtschaft : Dollar dominiert G 7-Treffen

Finanzminister und Notenbankchefs in Berlin Bonn (wei).Beim G7-Treffen der weltweit wichtigsten Finanzminister und Notenbankchefs am heutigen Sonnabend im Berliner Kronprinzenpalais wird die Stärke des Dollars Hauptthema sein.Vor allem Japans Finanzminister Hiroshi Mitzusuka wird dafür sorgen, daß der Höhenflug der US-Währung ganz oben auf der Tagesordnung steht.Die Amerikaner freilich haben mit dem Anstieg der Notierungen in den letzten Wochen gut leben können: Das hält die Inflation in Schach und macht höhere Zinsen vorerst entbehrlich.Auch die Europäer sind mit dem Dollarkurs zufrieden.Nach dem Einbruch der Notierung vor zwei Jahren handele es sich um eine Normalisierung, heißt es übereinstimmend in Bonn und Paris.Die deutschen Exporteure wissen die Verteurung des Dollar zu schätzen.Ihre Waren werden dadurch auf vielen Märkten billiger und wettbewerbsfähiger.Wer sich seine Produkte im Ausland mit Dollar bezahlen läßt, kann nach der Umrechnung höhere DM-Gewinne in die Bilanzen schreiben. Das trifft grundsätzlich zwar auch für die japanischen Exporteure zu.Trotztdem ist man in Tokyo wenig glücklich über dem jüngsten Kursanstieg der US-Währung.Finanzminister Mitsuzuka plädiert für eine "Stabilisierung" der Wechselkurse.Der Wert des Yen auf den Devisenmärkten ist seit 1995 um nahezu ein Viertel gesunken.Anders als die deutschen haben die japanischen Unternehmen von der Abwertung der Landeswährung auf ihren Exportmärkten kaum profitiert.1996 nahmen die Ausfuhren nur um 0,6 Prozent zu.Durchgeschlagen hat die Schwäche des Yen dagegen auf die Importpreise des Inselreiches.Die Einfuhren, darunter Rohstoffe und Vorprodukte, wurden binnen Jahresfrist um 13 Prozent teurer.Ein Inflationsschub würde die Bank von Japan zur Anhebung des Zinsniveaus nötigen und könnte den aufkeimenden konjunkturellen Aufschwung rasch abwürgen. Tokyo steuert deshalb einen Kurs zwischen 110 und 120 Yen pro Dollar an, knapp zehn Prozent unter der gegenwärtigen Notierung von rund 124 Yen.Darauf werden sich die Finanzminister der G7 in Berlin jedoch nicht festlegen.Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs aus USA, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und Deutschland werden keine formellen Beschlüsse getroffen.Die bleiben den G7-Gipfeln der Staats- und Regierungschef vorbehalten.Die Amerikaner haben jedoch schon wissen lassen, daß sie erst zum Handeln bereit sind, wenn der Dollar die Schwelle von 1,70 DM überspringt. US-Finanzminister Robert Rubin und Notenbankchef Alan Greenspan können sich beim Treffen in Berlin zurücklehnen.Die US-Wirtschaft wächst kräftig und ausgeglichen, nach amerikanischen Maßstäben herrscht jenseits des Atlantik Vollbeschäftigung, die Preise sind stabil und mit dem Dollarkurs können eigentlich alle zufrieden sein.Die Führungsmacht, so scheint es, hat ihre Wirtschaftsprobleme im Griff.Ganz anders sieht es bei den anderen wirtschaftlichen Großmächten aus.Die Europäer kämpfen weiter mit schwachen Wachstumsraten und steigenden Arbeitslosenzahlen.Trotzdem erwartet Gastgeber Theo Waigel eine günstige, konjunkturelle Lagebeurteilung.Weltweit niedrige Zinsen und Inflationsraten seien eine gute Voraussetzung für die weitere Entwicklung.Die weltwirtschaftliche Bestandsaufnahme wird im Kronprinzenpalais vom Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus, vorgetragen.Die sieben Finanzminister verfügen über die Mehrheit der Stimmrechte des Fonds.Sie bereiten in Berlin die Frühjahrstagung des IWF vor.Zur Sprache wird deshalb auch der Fortgang der Schuldeninitiative kommen, die auf der letzten Tagung von IWF und Weltbank beschlossen wurde.Sie sieht einen Schuldenerlaß für besonders arme Entwicklungsländer vor, den die Gläubigerländer zunächst bilateral umsetzen müssen.Außerdem wollen die Europäer einen höheren Beitrag der Amerikaner für die Entwicklungshilfe einfordern.Die Europäische Währungsunion und Sicherheitssysteme für die Finanzmärkte werden auf dem diesmaligen G7-Treffen thematisch wohl nur Nebenrollen spielen.

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