Dollar-Talfahrt : Stärkste Rohstoff-Gewinne seit 1975

Die internationalen Rohstoffmärkte haben im September angesichts einer massiv gestiegenen globalen Nachfrage, der Talfahrt des Dollar und aufkommender Inflationsängste die stärksten Gewinne seit 32 Jahren verbucht.

Peter Bauer[dpa]

New YorkAngeführt von Edelmetallen, Getreide und Öl verbuchten viele Rohstoffe neue Höchststände oder bewegten sich in Rekordnähe. Institutionelle Investoren und spekulative Hedge-Fonds mischen ebenfalls in großem Stil mit. Die Wall Street geht angesichts aufkeimender US-Rezessionsängste nach der jüngsten Leitzinssenkung um einen halben Punkt auf 4,75 Prozent von weiteren Leitzinsabschlägen der US-Notenbank bis Jahresende auf 4,5 oder 4,25 Prozent aus. Dagegen könnte die Europäische Zentralbank (EZB) bis Jahresende den Leitzinssatz von derzeit vier Prozent weiter anheben, spekulierten US-Devisenexperten. Bei dem EZB-Treffen am Donnerstag werde hingegen kein Zuschlag erwartet.

Der Euro stieg deshalb in New York zum Wochenschluss auf 1,4267 Dollar je Euro - das Tageshoch lag am Freitag sogar bei 1,4278 Dollar. Der "Greenback" war damit nur noch 0,70 Euro-Cent wert. Jetzt sehen US-Devisenfachleute 1,45 Dollar je Euro als neue Widerstandslinie. Der Dollar hat allein im September gegenüber dem Euro 4,5 Prozent und seit Jahresbeginn 7,5 Prozent an Wert verloren. Gemessen an einem Währungskorb von Hauptwährungen liegt der Dollar jetzt auf dem niedrigsten Stand seit 1973, errechnete die US- Wirtschaftsagentur "Bloomberg".

Weizen-Preise auf Rekordniveau

Der aus 19 Rohstoffen zusammengesetzte Reuters/Jeffries-CRB-Index stieg nach "Bloomberg"-Berechnungen im September um 8,1 Prozent auf 333,67 Punkte. Das war der stärkste Gewinn seit Juli 1975. Die Weizen-Preise schossen im September angesichts weltweiter Angebotsengpässe um 22 Prozent in die Höhe und erreichten Rekordniveau. Der Weizenpreis hat sich innerhalb von Jahresfrist verdoppelt. Mais verteuerte sich im September weiter um 15 Prozent. Sojabohnen legten um 14 Prozent zu. Dies schlägt sich inzwischen klar weltweit in einer erheblichen Verteuerung der Lebensmittel nieder.

Der Ölpreis stieg am Freitag auf über 83 Dollar je Barrel, ehe er zum Handelsschluss auf 81,66 Dollar nachgab. Öl hat sich im September um zehn Prozent verteuert. Damit lag der Ölpreis nur um etwa zwei Dollar unter Rekordniveau. "Die Weltwirtschaft hat mit einigen Magenverstimmungen den Anstieg der Ölpreise auf über 80 Dollar je Barrel geschluckt", betonte das "Wall Street Journal" am Samstag. Wie gut könnte sie 100 Dollar je Barrel überleben? Die Zeitung vertritt die These, dass die Globalwirtschaft einen solchen Anstieg "relativ gut" verkraften könne. Voraussetzungen: Der Preisanstieg müsste wahrscheinlich graduell erfolgen. Die Inflation dürfte nicht so schlimm werden, dass sie sehr starke Zinserhöhungen erzwingen würde. Außerdem müssten die Ölländer ihre Gewinne zurück in die US- und die europäische Wirtschaft pumpen.

Goldpreis schnellt hoch

Der Goldpreis ist im September um elf Prozent auf 750 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gestiegen und könnte nach Ansicht amerikanischer Goldfachleute auf 1000 Dollar zulegen. Die angesehene amerikanische Börsen-Wochenzeitung "Barron's" sieht den Goldpreis "im Schnellgang auf 1000 Dollar". Die weltweit steigende Nachfrage der Investoren und Schmuckhersteller und das schrumpfende Angebot könnten den Goldpreis auf über 1000 Dollar treiben, glauben inzwischen viele US-Goldfachleute. Silber hat im September um 15 Prozent auf 13,92 Dollar je Feinunze zugelegt.

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