Wirtschaft : Dollar und Rubel auf Talfahrt

FRANKFURT (MAIN) (itt/HB/Tsp).Der Rubel stürzte die Devisenmärkte der Welt am Montag erneut in Turbulenzen.Gegenüber dem Dollar wurde er an den russischen Wechselstuben mit einem Verhältnis 20 zu 1 gehandelt.Der Handel an der Moskauer Interbankenbörse wurde abgebrochen, als einem Angebot von 35 Mill.Rubel nur 10 000 Dollar gegenüberstanden.Der russische Notenbankchef Sergej Dubinin reichte angesichts der gescheiterten Versuche, den Rubel zu stabilisieren, den Rücktritt ein.Der Dollar präsentierte sich ebenfalls weltweit schwächer.



Angesichts des Labor-Day-Feiertages in den USA bewegte sich der Devisenhandel der anderen Weltwährungen am Montag in ruhigen Bahnen.Ohne die US-Anleger seien die Umsätze deutlich zurückgegangen, sagten Händler.Der Dollar pendelte am späten Nachmittag um 1,7225 DM und 131,25 Yen.Die als Signal für eine mögliche Zinssenkung interpretierte Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan habe das Interesse an Dollar-Käufen gedämpft, hieß es.Greenspan hatte erklärt, die Inflation sei nicht mehr die größte Bedrohung für die US-Wirtschaft.Das britische Pfund gab um fast vier Pfennige auf 2,8690 DM nach.

Experten halten weitere Turbulenzen an den Weltwährungsmärkten für absehbar.So ist nicht geklärt, wie die weitere russische Geldpolitik aussehen wird.Auch die Haltung des IWF gegenüber Rußland, den Reformstaaten Osteuropas und den asiatischen Ländern ist ein Unsicherheitsfaktor.

Zwar hat sich der Abwertungswettlauf in Asien vorerst beruhigt.Doch viele Währungsexperten halten es für keine Frage, daß China seine reglementierte Währung abwerten wird.Die Arithmetik in der Region sowie konjunktur- und wachstumspolitische Gründe sprechen dafür.Die entscheidende Frage ist: Wann? Niemand kann seriös abschätzen, wie die Nachbarn auf eine Abwertung in China reagieren werden.Im schlimmsten Falle würde unmittelbar und für eine ganze Weile eine neue Abwertungsspirale in Gang gesetzt, die alle Länder zusammen nur noch ärger in eine wirtschaftliche Krise stürzt.

Im besten Falle gäbe es etwas Unruhe an den Devisenmärkten, wobei sich an den neuen Währungsrelationen in der Region vorerst nur wenig ändern würde.Alle Beteiligten könnten zu einer kontrollierten und schleichenden Abwertung übergehen, auf die sich Investoren besser einstellen können als auf abrupte Veränderungen und starke Schwankungen.

Andere Brennpunkte liegen in Osteuropa.Auch wenn noch so viele Fundamentaldaten dagegen zu sprechen scheinen - eine Abwertung des Rubel von mehr als 50 Prozent kann von den Nachbarländern nicht ignoriert werden.Zunächst dürften die Währungen von Ländern umfallen, die noch im unmittelbaren Dunstkreis Rußlands stehen.Und dann könnten die osteuropäischen Nachbarn an der Reihe sein - sei es, weil die Spekulanten darauf setzen, sei es, weil die Investoren und Sparer wegrennen oder neue ausbleiben.

Asien und Rußland erhöhen den Druck auf angeschlagene Währungen wie den Rand in Südafrika oder die Dollarwährungen in Australien und Neuseeland.Sie ziehen aber auch Währungen von Ländern in Mitleidenschaft, die eigentlich gut dastehen.Ursache ist eine vorsichtigere Haltung der Schwellenmarkt-Anleger.Der mexikanische Peso hat bereits stark reagiert, ebenso der kolumbianische Peso.Und schließlich leidet Venezuela unter den niedrigen Rohstoffpreisen, vor allem bei Öl.Entscheidend für das Wohl und Wehe der Region dürfte jedoch Brasilien sein.Gelingt es der Regierung, weiterhin vorsichtig abzuwerten, wäre dies ein Lichtblick.Knickt sie unter dem Druck internationaler Investoren zusammen und nimmt eine einmalige, stärkere Abwertung in Kauf, dürfte dies wohl auch in dieser Region einen Wettlauf wie in Asien in Gang setzen.

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