Wirtschaft : Dollarkurs beunruhigt die Exporteure

FRANKFURT (MAIN) (Tsp).Ungeachtet der Kurserholung des US-Dollars am Freitag, der zum amtlichen Fixing in Frankfurt wieder über 1,63 DM lag, nachdem er am Vortag unter 1,60 DM gerutscht war, mehren sich die Sorgen der deutschen Exporteure, die eine Beeinträchtigung der Geschäfte und der konjunkturellen Entwicklung befürchten.Nachdem die Finanzkrise in Asien und Rußland bereits die Aussichten auf eine dauerhafte Stabilisierung getrübt haben, sorgt der aktuelle Rückgang des Dollarkurses für neue Unsicherheiten.Erstmals seit Januar 1997 fiel der Greenback in dieser Woche unter die psychologisch so wichtige Marke von 1,60 DM.Auch am Freitag blieb er vor allem gegenüber dem Yen unter Druck.Im Verlauf der Woche verlor der Dollar bis zu 18 Prozent gegenüber der japanischen Währung.An der Tokioter Börse gaben die Kurse um über ein Prozent auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren nach.Sorge bereitet den Volkswirten und Exporteuren vor allem das Tempo des Kursverfalls.Ende August lag der Dollarkurs noch bei 1,80 DM."20 Pfennig in sechs Wochen ist schon überraschend," findet der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Rolf Schneider.Trotz der Kurserholung zum Wochenschluß sehen Analysten kein Ende der Talfahrt.

Für den deutschen Maschinenbau, der sich aus einer tiefen Krise nach oben gearbeitet und Weltmarktanteile zurückerobert hat, kommt die Dollar-Baisse "genau zum falschen Zeitpunkt".Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VMDA) sieht bereits die Schmerzgrenze erreicht.Um Marktanteile zu halten, müßten die Anbieter im Preis nachgeben, was nicht ohne negative Folen für die Gewinnmargen wäre.

Die USA sind mit einem Exportanteil von 11,5 Prozent wichtigster Auslandskunde des deutschen Maschinenbaus.Im ersten Halbjahr konnten die Lieferungen um 20 Prozent auf 9,4 Mrd.DM gesteigert werden.Erst mit großem Abstand folgt Frankreich mit einem Anteil von 8,7 Prozent oder 7,1 Mrd.DM."Bei einem Dollar von 1,60 DM oder weniger werden die Amerikaner künftig auch stärker auf Drittmärkten als Konkurrenten auftreten," befürchtet VDMA-Sprecher Alexander Batschar.

Ein Ende der Dollar-Schwäche ist derzeit nicht auszumachen.Die Dresdner Bank rechnet bis Frühjahr noch mit einem Kurs von 1,55 DM.Der Druck auf den Dollar ist nicht allein auf die politischen Querelen im Weißen Haus zurückzuführen.Auch die Tatsache, daß die Japaner, größter Kapitalexporteur der Welt, zusehends Gelder aus den Staaten abziehen und diverse Hedge-Fonds sich mit japanischen Yen eindecken müssen, treibt den Dollar nach unten.Extrem niedrige Zinsen in Japan hatten große Geldhäuser dazu veranlaßt, in umfangreichen Stil Yen-Kredite aufzunehmen und Dollar zu kaufen.Auf diese Weise wurden US-Regierungspapiere erworben, die mit über fünf Prozent verzinst wurden.Der fallende Yen-Kurs sorgte zusätzlich für einen Gewinn."Diese perfekte Geldmaschine scheint auszulaufen," kommentiert BfG-Chefvolkswirt Heinrich Schaumburg den jüngsten Trend an den Devisenmärkten.

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