Wirtschaft : Donald Trump: Der größte Bauunternehmer in der heißesten Stadt der Welt

Walter Pfaeffle

Donald Trump ist wahrscheinlich der berühmteste Unternehmer Amerikas. Nach einer Gallup-Befragung Anfang des Jahres kennen 98 Prozent der Bevölkerung den New Yorker Immobilienlöwen. Nur Bill Gates gehört noch in die erste Liga der bestbekannten US-Businessmen. Es folgen mit großem Abstand Jack Welsh, Chef von General Electric, und CNN-Boss und Time-Warner-Vize Ted Turner. Dabei erschien Trump erst vor etwa 15 Jahren auf der Szene Manhattans. Seither hat sich der heute 53 Jahre alte Milliardär kaum verändert. Er prahlt mit dem vielen Geld, wechselt die Frauen wie das Hemd, tritt in einer TV-Schmuddelschau auf und ärgert sich öffentlich über Tochter Ivankas Nacktfotos in einem britischen Magazin. Seinem Ruf scheint all dies nicht zu schaden. Zu Trumps größten Bewunderern gehören Menschen im sozialen Abseits. Nach einer Umfrage im Auftrag der Demokratischen Partei macht Trump auf 67 Prozent der Befragten einen positiven Eindruck, 62 Prozent der Hispanics mögen den Mogul und 66 Prozent der Weißen mit niedrigen Einkommen halten große Stücke auf das Großmaul.

Nicht so gut kommt Trump bei Geschäftsleuten an. Als das Magazin "Fortune" mehrere tausend von ihnen ersuchte, eine Liste der 469 meistbewunderten Unternehmen aufzustellen, bildete die Trump Hotels & Casino Resorts Inc das Schlusslicht. Trump scheint das nicht zu stören: "Die Reichen, die mich nicht kennen, mögen mich nicht. Reiche, die mich kennen, lieben mich." Es scheint ihn aber schon zu ärgern, dass die Wirtschaftspresse so wenig Notiz von seinen geschäftlichen Errungenschaften nimmt. "Die wissen anscheinend gar nicht, wie weit meine Geschäftsinteressen reichen", sagte er kürzlich in einem Interview mit Fortune. "Man redet lieber über mein Privatleben, als über den 90 Stockwerke hohen Wohnturm, den ich in der Nähe der Vereinten Nationen baue." Mit dem Trump World Tower, den die HypoVereinsbank mit einem Kredit von 295 Millionen Dollar finanziert, hat er bei Nachbarn böses Blut geschaffen; Leute wie Henry Kissinger, denen der Turm das Sonnenlichts wegnimmt. Sie haben auf dem Gerichtsweg vergeblich versucht, die Höhe des Turms zu begrenzen.

Sein Geschäftstalent hat Trump von seinem Vater Fred geerbt. Der letztes Jahr verstorbene Senior hat im Stadtteil Queens Wohnungen der mittleren Preisklasse gebaut. Ursprünglich hieß der Familienname Trumpf, doch Fred änderte den Namen wegen der in der Nazi-Zeit vorherrschenden Deutschfeindlichkeit. Donald Trump versteht es, den Namen weltweit wie Corn Flakes oder Coca-Cola zu vermarkten. Dies war nach Meinung von Trump-Beobachtern auch der Grund dafür, dass er seinen Namen als Präsidentschaftskandidaten handeln liess. Drei Bestseller hat er geschrieben, die ihn weltweit bekannt gemacht haben. Die Vermarktung des Namens kam Ende der achziger Jahre vor allem bei japanischen Anlegern an, die ihm seine Eigentumswohnungen wie warme Semmel und zu überhöhten Preisen aus der Hand nahmen.

Nicht alles lief im Trump-Imperium immer nach Wunsch. Seine gewaltigen Immobilienprojekte wie das 310 000 Quadratmeter grosse Gelände an Manhattans West-Seite, auf dem Hypotheken in Höhe von 100 Millionen Dollar lasteten, brachten ihn 1990 an den Rand des Ruins. Banken, die einen so grossen Fisch wie Trump nicht einfach fallen lassen konnten, ohne sich selbst zu schaden, sprangen mit weiteren Krediten in die Bresche. Er verkaufte den von der bankrotten Eastern Airlines erst eineinhalb Jahre früher übernommenen Trump Shuttle und sein Vater Fred sprang ein, indem er dem Junior sein Erbe frühzeitig auszahlte. Zu Trumps Glück fielen die Zinsen, was einen Anstieg der Immobilienpreise zur Folge hatte. Trump war gerettet.

An seinem Lebensstil hat sich wenig verändert, nur mit seinen Deals ist er vorsichtiger geworden. Anstatt hohe Summen in neue Projekte zu pumpen, sucht er sich finanzkräftige Partner wie die Pensionskasse der General Electric Company, die von der Marketing-Macht seines Namens profitieren wollen. In einem Extremfall hat eine Immobilienfirma Trump eine Lizenzgebühr von fünf Millionen Dollar gezaht, nur um in Seoul einen Trump Tower errichten zu können. Selbst in New York stehen etliche Wohntürme, die seinen Namen tragen, aber anderen Investoren gehören. "Ich bin der größte Bauunternehmer in der heißesten Stadt der Welt", prahlte er kürzlich.

In der Tat kosten Eigentumswohnungen heute mehr als je zuvor, und der Aufwärtstrend hat den Gipfel noch nicht erreicht. Dagegen steht es weiterhin schlecht um Trumps Hotel-unnd Glückspielfirma Hotels & Casinos Inc. Das Unternehmen ging 1995 an die Börse. Die Erstemission brachte 140 Millionen Dollar in Trumps leere Kasse, mit denen er seinen Gläubiger auszahlte. Die unter dem Symbol DJT (Donald J. Trump) gehandelte Aktie kletterte auf 34 Dollar, stürzte danach jedoch steil ab. In diesen Tagen kostet das Papier noch knapp drei Dollar und Trumps Anteil ist von einer halben Milliarde Dollar auf 53 Millionen Dollar geschrumpft.

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