Wirtschaft : Doppelte Freude bei Fonds mit Steuereffekt

FRANK WIEBE (HB)

Die Erträge der Steuersparfonds sind aber schwer zu vergleichen / Genaue Prüfung ratsamFRANK WIEBE (HB)

Fondsgesellschaften gehen mit Produkten, die einen besonderen Steuerpfiff versprechen, auf Kundenjagd.Wer sich einfangen lassen will, sollte zuvor die Angebote sorgfältig studieren.Das Handelsblatt hat die Höhe der Steuerspareffekte verglichen.Gewinne kassiert der Anleger gern.Wenn das Finanzamt von dem Geld noch einen erklecklichen Rest übrig läßt, dann ist die Freude doppelt groß.Auf diesen simplen Effekt setzen die Anbieter von sogenannten Steuersparfonds (gemeint sind offene Fonds, die man wie Wertpapiere kaufen und verkaufen kann, nicht geschlossene Fonds mit Abschreibungstricks).Zwar ist bei diesen Produkten brutto nicht gleich netto, aber manchmal bleibt ein Teil der Erträge vom Zugriff des Fiskus verschont. In der Tabelle hat das Handelsblatt, basierend auf Angaben des Branchenverbandes BVI, errechnet, wieviel Prozent des gesamten Jahresertrags 1996 steuerfrei waren (Spalte 4, Grundlage sind die Gesamtrendite und die Höhe der steuerpflichtigen Erträge).Die Anlage in Steuersparfonds ist allerdings nicht ganz einfach, deshalb sollte der Kunde sich vorher qualifiziert beraten lassen.Die Fonds sind sehr unterschiedlich gestaltet, daher sind auch die Ergebnisse vor Steuern (Spalte 3) nur schwer zu vergleichen. Alle Steuersparmodelle leben von der Idee, den Theo-Waigel-Flucht-Effekt mit wenig Risiko zu verbinden.Denn wer risikoscheu ist, kann einfach normale Aktienfonds kaufen: bei denen ist ein großer Teil der Erträge steuerfrei - Kursgewinne innerhalb des Fonds unterliegen auch bis zu sechs Monaten nicht dem Zugriff des Finanzamtes.Eine weitere Alternative sind offene Immobilienfonds, die teilweise steuerbefreite Erträge mit noch niedrigerem Risiko verbinden.Wer Steuern sparen will, muß also nicht unbedingt einen Steuersparfonds kaufen.Diese Fonds legen das Kundengeld meist in Zinspapieren an, also auf dem Geld- oder dem Rentenmarkt, häufig in kurzlaufenden Zinspapieren.In diesen Märkten sind die Kursrisiken relativ gering.Um den gewünschten Steuerspareffekt zu erreichen, gibt es dann mehrere Wege.Teils werden Aktien hinzugemischt.Diese Fonds erscheinen dann als "gemischte", ihr Risiko ist höher als bei den Rentenfonds, die Rendite meist auch. Zum Teil, etwa beim BWK-Multi-Global, werden diese Aktienpositionen jedoch wiederum am Terminmarkt gegen Verluste abgesichert.Dabei bleibt der Steuerpfiff erhalten, aber Rendite - die Absicherung kostet Geld - und Risiko werden heruntergefahren, praktisch auf Rentenfondsniveau.Die klassische Finanzamt-Abwehr-Strategie mit Renten ist aber der Kauf von Papieren mit niedrigem Zinskupon.Diese Titel notieren normalerweise mit niedrigem Kurs.Weil sie am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent ausbezahlt werden, ist eine - steuerfreie - Kurssteigerung vorbestimmt.Mit Nullkupon-Anleihen funktioniert das Spiel leider nicht, weil der Fiskus bei diesen Papieren die automatischen Kurssteigerungen - korrekterweise - als verdeckte Zinsen ansieht und besteuert. Das Spiel läßt sich auch aufs Ausland ausdehnen.Der Fonds nutzt dabei Zinsdifferenzen und münzt sie in - steuerfreie - Kursgewinne um.Etwa so: Der Fonds tauscht für einen festgelegten Zeitraum zu festgelegten Kursen ein Paket deutscher Anleihen gegen ein gleichwertiges japanischer Anleihen (ein sogenanntes Swapgeschäft).Weil die japanischen Anleihen weniger Zinsen bringen als die deutschen, wird diese Differenz durch eine entsprechende Kursdifferenz für Hin- und Rücktausch ausgeglichen.Dadurch entsteht ein Kursgewinn, der am Finanzamt vorbei kassiert wird.Der Clou: Weil alle Kurse schon vorher - unabhängig von der Entwicklung der Märkte - festgelegt werden, entsteht für den Fonds kein zusätzliches Risiko.Der Fonds legt also international an, geht aber keine internationalen Kursrisiken ein. Es zeigt sich: Bei den Steuersparprodukten ist die Einordnung in die gängigen Kategorien wie Aktienfonds, Rentenfonds, national oder international schwierig, weil oft ein niedrigeres Risiko - inklusive eines niedrigeren Ertrags - gegeben ist, als man anfangs vermuten würde.Daher ist es nötig, vor dem Kauf das spezifische Risiko abzufragen.Für wen oder zu welchem Zweck sind nun welche Steuersparfonds geeignet? Dafür lassen sich nur grobe Richtlinien aufstellen: Für die langfristige Anlage sind normale Aktienfonds häufig am besten geeignet.Sie bieten auch gute steuerliche Voraussetzungen.Wer das Aktien-Risiko scheut, kann auf gemischte Fonds oder Rentenfonds ausweichen und in dieser Sparte steuerbegünstigte Produkte aussuchen.Manche (etwa Beta, Delta Fonds und Rendite Garant) sind gleichzeitig gegen Kursverluste abgesichert.Eine Alternative für risikoscheue Anleger sind auch offene Immobilienfonds.Mittelfristig, auf zwei bis vier Jahre, gelten meist Rentenfonds als gute Wahl.Je kürzer der Zeitraum, desto eher sollte man Fonds mit kurzen Laufzeiten ins Depot nehmen.Kurzfristig sind Geldmarktfonds oder geldmarktnahe Fonds die erste Wahl.Sie bieten meist nur eine niedrige Rendite, die aber mit zusätzlichem Steuerpfiff Glanz gewinnt.Grundsätzlich gilt natürlich: Je mehr Steuern der Anleger zahlt, desto wichtiger ist die steuerliche Komponente.

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