Wirtschaft : Dosenhersteller bauen Jobs ab

Nach der Novelle des Einwegpfands hat die Industrie zu wenig zu tun

Maren Peters

Berlin - Die vom Bundesrat beschlossene Ausweitung des Dosenpfandes wird den Personalabbau in der Einwegbranche beschleunigen. „Wir werden mit sofortiger Wirkung 40 bis 45 Mitarbeiter in Berlin entlassen“, sagte Dieter Künstle, Geschäftsführer im Berliner Werk des Dosenherstellers Rexam. Für weitere 110 der insgesamt rund 170 Mitarbeiter sei wieder Kurzarbeit beantragt worden. „Mit der Novelle wird sich die Lage weiter verschlechtern“, sagte Künstle. „Darauf mussten wir reagieren.“ Auch beim Einwegglasproduzenten Heye werden weitere Produktionsstillegungen – und damit Entlassungen – nicht ausgeschlossen. Zum Jahreswechsel sind nach Angaben von Betriebsratschef Stephan Seiffert knapp 200 Entlassungen geplant. „Mit der Novelle wird der Wettbewerbsvorteil für Tetra-Packs festgeschrieben“, befürchtet Seiffert.

Mit der Novelle der Verpackungsverordnung soll künftig ein einheitliches Pfand von 25 Cent auf Bier, Alcopops, Wasser und Erfrischungsgetränke fällig werden. Es wird dann nur noch auf ökologisch nachteilige Verpackungen wie Einwegglas, Dosen und PET-Gefäße erhoben, nicht aber auf Verpackungen, die als umweltfreundlich gelten, wie Kartons, den Milchschlauch oder so genannten Standbodenbeutel („Capri-Sonne“). Die bislang entscheidenden Mehrwegquoten, nach denen auch ein Pfand auf Saftflaschen gedroht hätte, werden dafür abgeschafft. Die entsprechende Verordnung muss allerdings noch die Bundesregierung, den Bundestag und den Bundesrat passieren. Dabei sind Nachbesserungen möglich.

Die Einwegbranche musste seit Inkrafttreten des Dosenpfandes Anfang 2003 bereits deutliche Einbußen verkraften, weil die meisten Supermärkte und Discounter Dosen aus den Regalen genommen haben. Wie bei Rexam in Berlin ist auch bei Deutschlands größtem Dosenhersteller Ball Packaging Europe der Absatz nach Angaben von Unternehmenssprecherin Sylvia Blömker seitdem um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Die Auslastung des Dosenproduzenten, sagt die Sprecherin, liege derzeit „zwischen 50 und 60 Prozent“ – und auch das nur, weil inzwischen rund 90 Prozent der produzierten Dosen ins Ausland exportiert würden. Vor dem Einwegpfand lag die Quote bei zehn Prozent. Die geringe Auslastung hat gravierende Folgen für die Beschäftigten: 80 Mitarbeiter sind bereits zum Jahreswechsel entlassen worden, 850 der insgesamt 1000 Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt. Ein Ende sei „derzeit nicht in Sicht“, sagte Blömker.

Doch die Einweg-Branche hofft noch auf Brüssel. Dort will die EU-Kommission noch heute die Einreichung einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof beschließen. Auch sie hat Probleme mit dem deutschen Dosenpfand.

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