Wirtschaft : Dosenpfand: Das Zwangspfand ist nur eine Notlösung

Bernd Hops

Wie schädlich ist die Getränkedose? Das Umweltbundesamt sagt: sehr schädlich. Bundesumweltminister Jürgen Trittin sieht das auch so. Vom 1. Januar 2002 an will er jede Dose mit knapp 50 Pfennig Pfand belegen. Die Wirtschaft und eine Reihe christ- und sozialdemokratischer Ministerpräsidenten haben in den vergangenen Monaten dagegen protestiert. Milliardenkosten werden befürchtet.

Dabei hat die Bundesregierung - damals noch aus CDU/CSU und FDP - bereits 1991 die Verpackungsverordnung verabschiedet, in der Mehrwegquoten vorgeschrieben wurden. Ein Zwangspfand wurde bereits damals angedroht. Seit 1997 erreicht der Mehrweganteil beim Bier nicht mehr die geforderten 72 Prozent. Dass die Politik jetzt handelt, ist also nicht weiter überraschend. Aber die Wirtschaft ist durch die Pläne Trittins aufgewacht. Sie bietet eine Alternative zum Pfand an und will sich selber dazu verpflichten, 25 Milliarden Liter Getränke in ökologisch verträglichen Verpackungen zu verkaufen. Sollte sie es nicht schaffen, wäre sie zur Zahlung von Vertragsstrafen bereit.

Noch ist die Zeit da, um Alternativen zum Zwangspfand ernsthaft zu prüfen. Zumal die Umsetzung zum 1. Januar 2002 utopisch ist. Zur gleichen Zeit muss der Einzelhandel die Euroeinführung verkraften. Ist das Pfand erst einmal da, zusammen mit allen Investitionen zum Beispiel in Rücknahmeautomaten, wird es schwer, das System wieder zu ändern. Freiwilligkeit sollte immer vor Zwang gehen. Deshalb sollte Trittin der Wirtschaft eine Chance geben, ihre Vorschläge in der Praxis zu erproben. Das Zwangspfand kann auch später noch eingeführt werden.

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