Dosenpfand : Neue Regeln ab Mai

Gut drei Jahre nach Einführung des Zwangspfandes Anfang 2003 sollen Sammeln und Rückgabe leerer Dosen und Einwegflaschen beim Handel nun einfacher werden. Industrie und Handel erwarten ab dem 1. Mai einen Ansturm der Verbraucher.

Berlin - «Das Sortieren nach Herkunft und Hersteller hat ein Ende», stellte das für die Gesetzgebung federführende Bundesumweltministerium am Freitag zur neuen Pfandregelung fest. Vom 1. Mai an gelte mit nur wenigen Einschränkungen: «Wer Getränkedosen verkauft, muss alle pfandpflichtigen Getränkedosen zurücknehmen, gleich ob es eine Cola-, Eistee- oder Bierdose ist.» Die Insellösung für Discounter wie Lidl oder Aldi, die nur eigene Behältnisse zurücknahmen, sei Geschichte.

Industrie und Handel erklärten, sie seien für den erwarteten Ansturm vor allem nach dem 1.-Mai-Feiertag gut gerüstet. Dies erklärte auch die von Handel und Industrie zur Steuerung des neuen Rücknahme- und Verrechnungssystems gegründete Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG). Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) geht nun davon aus, dass anfangs nur ein Drittel der bundesweit benötigten 36 000 Rückgabe-Automaten aufgestellt sein wird und die Annahme in den Geschäften überwiegend von Hand erfolgen müsse. Das Pfand beträgt einheitlich 25 Cent und wird nach Bier, Wasser und Sprudel nun auch auf Alkopops, Eistee und Erfrischungsgetränke ohne Kohlensäure ausgedehnt. Es ist damit deutlich teurer als Mehrwegpfand.

Während die rot-grüne Koalition mit Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) mit dem Gesetz eigentlich Mehrwegflaschen fördern und Einwegmüllhalden vermeiden wollte, setzt ausgerechnet der Handel nach HDE-Angaben auf Einwegverpackungen. Dose und Petflaschen würden von der Kundschaft wieder bevorzugt nachgefragt, sagten die DPG- Geschäftsführer Bernd-Ulrich Sieberger und Verena Böttcher in Berlin. Beide räumten aber ein, dass das neue Sortiersystem enorm teuer sei «und teuer bleiben werde».

Elektronisch gekennzeichnet werden sämtliche Dosen und Einwegbehälter bis zur Vernichtung, um missbräuchliche und bandenmäßige Mehrfachbepfandung zu unterbinden. Außerdem sind Pfand- Verrechnungen auf mehreren Ebenen bis zu Abfüllern und Herstellern erforderlich. Künftige Einwegverpackungen tragen ein Logo und sind damit für die Verbraucher erkennbar. Allerdings: Werden Flaschen verschmutzt abgegeben, könnten sie vom Automaten zurückgewiesen werden. Es sei aber fest vereinbart, dass sie wie alle alten Pfandflaschen auch dann zurückgenommen werden, wenn «erkennbar ist, dass es sich um Pfandverpackungen handelt», so die DPG-Manager.

Die DPG geht davon aus, dass in diesem Jahr 8 bis 10 Milliarden Einwegverpackungen in Umlauf gebracht werden nach 10 bis 12 Milliarden vor der Einführung des Dosenpfandes 2002. Das entspreche 2006 einem jährlichen Pfandwert von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Bis 2007/2008 könnte sich die Menge auf 15 bis 18 Milliarden Stück - mit einem umlaufenden Pfandwert von 3 bis 4 Milliarden Euro - erhöhen, betonte Böttcher. Dabei sei zu erwarten, dass auch die Altbestände an Flaschen und Dosen, deren Rückgabe sich wegen der Insellösungen für Discounter nur schwer habe realisieren lassen, zurückgegeben würden.

«In Zukunft kann der Kunde sein Leergut bei jedem Händler zurückgeben, der die jeweilige Verpackungsart führt», sagte Sieberger. «Wer Dosen verkauft, muss auch Dosen zurücknehmen. Es muss sich also niemand mehr merken, ob er seine Cola-Dose im Supermarkt, an der Tankstelle oder am Kiosk gekauft hat.» Eine Ausnahme gebe es für kleine Verkaufsflächen unter 200 Quadratmetern, wozu auch Kioske und Tankstellen gehören: «Diese müssen nur Leergut solcher Marken und Materialien zurücknehmen, die sie selbst im Sortiment haben. Der kleine Kiosk, der Pepsi-Dosen verkauft, muss keine Coca-Cola-Dosen zurücknehmen.» (tso/dpa)

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