Douglas : Adventszeit das ganze Jahr

Ein US-Finanzinvestor mit vorweihnachtlichem Namen bietet 1,5 Milliarden Euro für Douglas - und übernimmt bereits die Kontrolle.

Kirsten Ludowig
Geschenkt gibt es Douglas nicht. Und ob der Einstieg des Finanzinvestors ein Fest für die Mitarbeiter wird, steht auch nicht fest.
Geschenkt gibt es Douglas nicht. Und ob der Einstieg des Finanzinvestors ein Fest für die Mitarbeiter wird, steht auch nicht fest.Foto: dpa

An diesem Montagvormittag ist Henning Kreke nur eins: erleichtert. Das sieht man ihm an. „An meiner Seite sitzt ein zukünftig ganz enger Partner“, sagt der Douglas-Chef der kleinen Runde von Journalisten im Düsseldorfer Industrieclub. Der Mann zu seiner Rechten nickt freundlich. Er heißt Ranjan Sen und ist Geschäftsführer bei Advent International in Frankfurt. Es ist nicht einmal zwei Stunden her, dass der Finanzinvestor mit Sitz in Boston ein Übernahmeangebot für die Hagener Handelsgruppe vorgelegt hat – endlich, nach Monaten der Spekulation.

Advent bietet 38 Euro je Douglas-Aktie. Damit wird die Gruppe – sie umfasst die Parfümerie Douglas, die Buchhandlung Thalia, den Juwelier Christ, die Modekette Appelrath-Cüpper und die Confiserie Hussel – mit knapp 1,5 Milliarden Euro bewertet. Die Offerte entspricht einem Aufschlag von gut 40 Prozent auf den vierwöchigen Durchschnittskurs vor Aufkeimen der Übernahmegerüchte im Januar. Am Montag sprang die Aktie nochmal um 8,1 Prozent auf 37,62 Euro.

Ein Grund für die vergleichsweise hohe Prämie: Advent will sich mindestens 75 Prozent an Douglas sichern, sonst platzt der ganze Deal. Das hat seinen Preis.

Eine Erhöhung des Angebots schließt Sen „kategorisch“ aus. Der Manager ist zuversichtlich, dass die Dreiviertelmehrheit erreicht wird. Auch, weil sich die Großaktionäre bereits verpflichtet haben, ihre Anteile zu veräußern. Dazu gehören neben der Gründerfamilie Kreke auch die Oetker-Gruppe und der Ulmer Drogist Erwin Müller. Damit hat sich Advent bereits eine Zustimmung von 50,5 Prozent des Grundkapitals gesichert.

Der verzweigte Familienstamm Eklöh, kontrolliert geschätzte 15 Prozent. Ob die Familie ihre Anteile verkaufen will, ist noch unklar. Wie die Krekes sind die Eklöhs Nachfahren des Unternehmensgründers und Patchwork-Familienvaters Herbert Eklöh. Der Aufsichtsrat von Douglas hat der Transaktion bereits zugestimmt.

Schon im Januar hatte die Douglas-Gründerfamilie Kreke – Henning Kreke (47) führt die Geschäfte, sein Vater Jörn (72) noch bis März 2013 den Aufsichtsrat – angekündigt, ihren 12,7-prozentigen Anteil mithilfe von Finanzinvestoren aufstocken und den Konzern von der Börse nehmen zu wollen. In der Zeit danach blühten die Spekulationen: Kreke will verkaufen, Müller raus, Zerschlagung. Die Aktie sprang immer wieder nach oben – aber Gespräche mit den Finanzinvestoren Apax, BC Partners und Permira blieben ohne Erfolg. Dann kam Advent.

Wer ist Advent und was hat Advent vor? Man will an der bisherigen Portfolio-Strategie festhalten – gemeinsam mit dem Management, betont Sen. „Das Unternehmen soll wachsen, muss wachsen“, meint er. Als ein Beispiel nennt der Investor den Textil-Discounter Takko, den Advent 2007 übernahm. Seitdem wurden 160 Geschäfte neu eröffnet, der Umsatz ist um 30 Prozent gestiegen.

Das angestrebte Wachstum betrifft vor allem die tragende Säule, die Douglas-Parfümerien, aber auch die Christ-Juwelierläden. Hier hat Kreke schon erste Pläne für Filialen im Ausland. Die wichtigste Aufgabe aber ist die Restrukturierung von Thalia. Die Buchhandelskette leidet unter der Konkurrenz aus dem Internet, speziell von Amazon. Aufgrund der Sanierung wird Douglas in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust machen.

Jetzt will sich das Management um Kreke voll und ganz auf das kommende Weihnachtsgeschäft, die umsatzstärkste Zeit für Douglas, konzentrieren. „Wir hoffen, dass zukünftig bei Douglas ganzjährig Advent herrscht“, scherzt Sen und blickt zu Kreke. Der lächelt. Ob er den Witz wirklich lustig fand, bleibt sein Geheimnis. (HB)

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