Wirtschaft : Dow Jones trotz Dämpfer über 10000 Punkte

Konsumklima-Index der Universität Michigan ist eingebrochen – Volkswirte warnen vor Überbewertung

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B erlin/Frankfurt (Main) (akz/ro). Das Konsumklima für die Vereinigten Staaten hat am Freitag überraschend einen Rückschlag erlitten: Das KonjunkturBarometer, das die Universität Michigan erstellt, sank von 93,7 Punkten im November auf 89,6 Zähler. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 96,0 Punkten gerechnet.

Volkswirte warnten am Freitag davor, den Einbruch überzubewerten. „Die Konjunktursignale zeigen noch immer auf einen Aufschwung“, sagte Holger Bahr, US-Experte bei der Deka-Bank. „Das schwächere Konsumklima wird ein einmaliger Effekt bleiben“, meinte er. Auch Patrick Francke, bei der Commerzbank für die USA zuständig, schloss sich dieser Einschätzung an. „Es ist wichtiger was die Verbraucher tun, als das was sie in Umfragen angeben“, sagte er.

Die Angaben für den Index für das Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan sind zudem nur vorläufig. Die endgültigen Daten kommen erst in einigen Tagen. Der Indikator basiert auf Umfragen unter 250 Haushalten und gilt als einer der wichtigsten Hinweise für die Entwicklung des Konsums in den USA, der für zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes steht.

Kurz nach Veröffentlichung der Daten rutschten die wichtigsten Aktienindizes an den Börsen in den USA und in Deutschland kurzzeitig ins Minus, während sie zuvor noch stabil in der Gewinnzone tendierten. Zum Schluss des Xetra-Handels um 17 Uhr 30 lag der Deutsche Aktienindex Dax 0,03 Prozent im Plus bei 3860 Punkten. Der Dow Jones notierte um 21 Uhr bei 10024 Zählern (plus 0,2 Prozent). Der Euro reagierte auf die Konjunkturmeldung mit einem kräftigen Kursaufschlag. Die Gemeinschaftswährung notierte knapp unter 1,23 Dollar.

Volkswirte von Banken erklärten übereinstimmend, dass die Unsicherheiten auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt für den Rückgang verantwortlich seien. „Die letzten Daten zum US-Arbeitsmarkt waren von den Medien nicht so gut aufgenommen worden, obwohl die Quote gesunken ist“, erklärt Franke die Entwicklung. „Viele Beobachter haben anscheinend zu große Erwartungen an den Arbeitsmarkt gehabt.“ Die Lage sei jedoch noch immer gut. Seit vier Monaten hätte die US-Wirtschaft einen Beschäftigungsaufbau zu verzeichnen. „Auch die Einzelhandelsumsätze steigen weiter an“, fügt Deka-Ökonom Holger Bahr hinzu. „Zudem sehen wir ein boomendes Weihnachtsgeschäft.“ Beide Ökonomen betonten, dass solche Ausschläge beim Konsumklima nichts Ungewöhnliches seien. Der Indikator zeuge zwar nicht von Euphorie, der Verbraucherindex sei aber weit entfernt vom Rezessionsniveau.

Die Nachricht traf auch die Aktienmärkte unvorbereitet. Am Vortag hatte der Index der amerikanischen Standardwerte Dow Jones erstmals seit dem 24. Mai 2002 über der Marke von 10 000 Punkten geschlossen. Damit hatte der Index seit Beginn des Jahres um 20 Prozent zugelegt.

Auch der Deutsche Aktienindex Dax hatte sich am Vormittag mehr in Richtung der 4000 Punktemarke bewegt. Johannes Reich, Chef-Analyst beim Bankhaus Metzler, sieht schon im Sprung über die Schwelle von 3900 Punkten die Bestätigung für den aufwärts gerichteten Trend. „Es geht beim Dax weiter vorsichtig nach oben.“ Das wirtschaftliche Umfeld helfe der Börse, weshalb sich vor allem die Aktien verteuert hätten, die vom Konjunkturaufschwung profitieren würden. Den starken Euro hält Reich nur bedingt für ein Problem. Die Befürchtungen an der Börse seien schon größer gewesen. „Trotz 1,22 Dollar für den Euro bewegen sich die Auto-Aktien gut. Das ist ein Beleg dafür, dass der schwache Dollar als nicht so gravierend eingeschätzt wird“, sagt Reich.

Auch nach Ansicht von Fidel Helmer, Börsenchef beim Bankhaus Hauck&Aufhäuser sieht „der Markt super aus“. Und dies obwohl der Euro weiter stark sei. Helmer hält die Aktienkurse derzeit nach unten gut abgesichert. Sollte es in Berlin zu einer Einigung im Vermittlungsausschuss kommen, könnte der Dax bis zum Jahresende sogar auf 4000 Punkte steigen. „Scheitern die Gespräche bekommt die Börse aber kurzzeitig eins auf die Nase." Der Trend nach oben würde dadurch aber nicht gebrochen, ist sich Helmer sicher.

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