Wirtschaft : Draghi hat Verständnis für die Sparer EZB-Präsident verteidigt aber das Zinstief

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Frankfurt am Main - Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat mit Blick auf die niedrigen Zinsen Verständnis für die Sorgen der Sparer geäußert. Aber sie seien notwendig, weil die Wirtschaft im Euro-Raum schwach sei, sagte Draghi am Freitag auf dem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt am Main. „Würden wir die Zinsen anheben, würde das die Wirtschaft bremsen, Menschen würden ihre Arbeit verlieren. Die Ersparnisse würden über längere Zeit geringer sein.“ Die Zinsen in Deutschland seien aber auch so niedrig, weil das Land als „sicherer Hafen“ gesehen werde und deshalb viel Geld nach Deutschland fließe. Wenn die Situation auch mithilfe der EZB stabilisiert und wieder mehr Vertrauen in der gesamten Euro-Zone geschaffen werde, würde wieder mehr Geld in den anderen Euro-Staaten angelegt, was dann auch in Deutschland zu tendenziell steigenden Zinsen führen würde.

Der Notenbankchef warnte zugleich vor der Rückkehr zu Nationalismen in Europa. „Wir dürfen nicht in die nationale Perspektive zurückfallen.“ Die EZB handele in ihrer Geldpolitik für die gesamte Euro-Zone, auch die europäische Bankenaufsicht, die in einem Jahr in Frankfurt ihre Arbeit aufnehmen soll, biete die einzigartige Chance, Banken unter einer europäischen Perspektive zu betrachten. Auch bei dem im Frühjahr anstehenden Banken-Stresstest, bei dem Kapitallücken in den Bilanzen der Institute identifiziert werden sollen, werde man nicht auf nationale Eigenheiten schauen, sondern nur auf das europäische Interesse, erklärte Draghi.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lobte generell den Beitrag, den die EZB zur Überwindung der Krise geleistet habe und noch leiste. Er erinnerte Draghi zugleich an die Gefahr, dass niedrige Zinsen „in manchen Ländern als falscher Anreiz gesehen werden könnten“. Rolf Obertreis

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