Wirtschaft : Drastischer Stellenabbau in den Euro-Ländern

Dem Finanzgewerbe drohen die meisten Entlassungen

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Frankfurt (Main) (noh/HB). In Europas Konzernen regiert immer mehr der Rotstift. Vor allem die Aktiengesellschaften kündigen einen massiven Personalabbau an, um ihre schlechten Geschäftszahlen zu verbessern. Damit holen die europäischen Unternehmen das nach, was in den USA und Großbritannien bereits vor einem Jahr stattfand – einen drastischen Kapazitätsabbau.

Auf 56 000 beliefen sich nach einer von der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) zusammengestellten Statistik die im Oktober angekündigten Stellenstreichungen im Euroraum, gegenüber 30 000 im September. In Westeuropa insgesamt waren es 72 000, nach 49 000 im September. Für die USA veröffentlicht das Personalberatungsunternehmen Challenger, Gray & Christmas eine entsprechende Statistik. Der OktoberWert ist danach auf 176 010 in die Höhe geschnellt, nachdem die Streichungspläne im September auf ein 22-Monatstief von 70 057 gefallen waren.

Besonders dramatisch ist der Personalabbau in Europa im Finanzgewerbe und in regionaler Hinsicht in Italien. Die CSFB-Statistik weist für Oktober 22 500 Stellenstreichungen im Bank- und Finanzgewerbe aus. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Mit Jobstreichungsplänen im Volumen von fast 90 000 in den letzten zwölf Monaten ist die Finanzbranche hinter Technologie und Telekommunikation der Wirtschaftsbereich, der in absoluten Zahlen den stärksten Personalabbau plant.

Einen vergleichbaren Kapazitätsschnitt im Finanzgewerbe hat es in Kontinentaleuropa in der Nachkriegszeit bisher nicht gegeben. Rund die Hälfte der Streichungspläne im Finanzgewerbe im Oktober gehen auf die beiden italienischen Institute Intesa-BCI und Capitalia, die frühere Banca di Roma, zurück. Hinzu kommen in Italien noch Tausende von Stellen, die der Automobilkonzern Fiat abbauen will. Auf das Land entfallen somit mehr als ein Drittel der im Euroraum angekündigten Job-Verluste. „Das ist eine Besonderheit, denn in der Vergangenheit waren solche Ankündigungen in Italien sehr selten", sagt CSFB-Ökonom Julian Callow.

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