Draußen arbeiten : Unter blauem Himmel

Schönes Wetter ist angesagt, doch was hat man davon, wenn man den ganzen Tag im Büro sitzen muss? Drei Berliner Arbeitgeber zeigen, dass es auch anders geht.

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Auf der Terrasse. Bei der Firma Gameduell wird der Platz auf dem Dach auch für Teambesprechungen oder Brainstorming genutzt
Auf der Terrasse. Bei der Firma Gameduell wird der Platz auf dem Dach auch für Teambesprechungen oder Brainstorming genutztFoto: Sven Darmer

Blauer Himmel, Sonne, T-Shirt-Wetter – endlich ist er da, der Frühling. Doch während Gärtner, Landschaftsarchitekten und Förster das gute Wetter auch bei der Arbeit genießen können, ändert sich für die meisten Berufstätigen dadurch nicht viel: Der Weg zur Arbeit lässt sich womöglich leichter mit dem Rad zurücklegen und die Mittagspause in den Park verlegen. Doch einen Großteil der Zeit sitzen sie weiterhin drinnen, am Schreibtisch.

Glück hat, wer dann am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) für Sozialforschung arbeitet. Denn das Gebäude verfügt über einen Innengarten, in dem man vom Autoverkehr am Reichpietschufer nichts mitbekommt. Wissenschaftler sitzen im Gras, lesen oder besprechen sich. Manche haben sogar einen Laptop dabei. In der Pause wird unter freiem Himmel gekickert oder Tischtennis gespielt. „Wer konzentriert geistig arbeitet, braucht ab und zu Abwechslung“, sagt WZB-Sprecherin Claudia Roth.

Bei schönem Wetter im Freien zu arbeiten, das klingt nach einem Wunschtraum der Neunziger, als tragbare Computer und das Internet suggerierten, dass von nun an überall auf der Welt, unter Palmen, auf Berghütten oder im Park gleichermaßen gearbeitet werden kann. Die Realität sieht heute anders aus: Selbst Freiberufler, die theoretisch nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind, finden sich zu Bürogemeinschaften zusammen, weil sie sich am Schreibtisch letztlich doch besser konzentrieren können und ungestörter sind als Zuhause oder im Café.

Dennoch ermöglichen einige Firmen ihren Angestellten, im Freien zu arbeiten – auch weil sie sich davon etwas versprechen. Zum Beispiel der Onlinespiele-Anbieter Gameduell. Den rund 250 Mitarbeitern des Unternehmens steht eine geräumige Dachterrasse mit Tischen und Liegestühlen zur Verfügung. „Wir nutzen die Terrasse nicht nur in den Pausen oder nach Feierabend für gemeinsame Grillabende, sondern auch für Team-Besprechungen oder Brainstorming während der Arbeitszeit“, sagt Personalchef Rüdiger von Hennig. „Das geht natürlich nur, wenn es die technischen Gegebenheiten es zulassen und kein Beamer oder Laptop benötigt wird. Auch vertrauliche Gespräche gehören nicht nach draußen.“

Während die meisten Mitarbeiter dennoch lieber am Schreibtisch arbeiten, nehmen einzelne ihren Tablet-Computer mit auf die Terrasse, erzählt er. Bei den Zeichnern sei es sogar ausdrücklich erwünscht, dass sie auch mal im Park oder im Café arbeiten, um sich dort inspirieren zu lassen.

Doch auch innerhalb des Büros können die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz wechseln. Neben dem individuellen Schreibtisch steht ihnen eine Lounge und ein großer Begegnungsraum zur Verfügung, dorthin können sie mit dem Laptop umziehen. Rüdiger von Hennig vergleicht die Büroräume mit einem großen Spielplatz und erklärt: „Für uns sind die offenen Räume und die Dachterrasse Teil unserer Unternehmenskultur. Unser Team ist sehr international und in der Arbeitsumgebung spiegelt sich ein hoher Grad an Flexibilität wider, den wir unseren Angestellten auch auf anderen Ebenen bieten“, sagt er. So können die Mitarbeiter auch von Zuhause aus arbeiten, wenn das Kind krank ist oder die Handwerker im Haus sind.

Der Brillen-Onlineshop Mister Spex hat zwar keine Dachterrasse, aber je nach Arbeitsbereich werden auch schon mal Meetings ins Freie verlegt, wenn es das Wetter zulässt. Für interne Weiterbildungen wählt das Unternehmen bewusst Orte außerhalb des Büros. „In einem Seminarhaus inmitten der Natur bieten sich andere Perspektiven als im Büro“, sagt die Leiterin der Personalabteilung, Danine-Isabelle Garbs. So fuhr ein Teil der Belegschaft kürzlich in den Spreewald.

Wer mit dem Laptop im Café kreativer ist und nicht gerade in der Werkstatt oder im Versand arbeitet, der darf seinen Arbeitsplatz auch mal hinaus verlegen. Das macht der Chef sogar vor: Einmal in der Woche arbeitet er außerhalb, auch draußen, und erledigt dann Dinge, zu denen er im Tagesgeschäft nicht kommt, berichtet Garbs.

Auch früher zu gehen, um die Sonne zu genießen, sei grundsätzlich kein Problem, wenn man die Stunden an einem anderen Tag nachholt, keine akuten Termine anstehen oder viel zu tun ist. Allerdings ist das im Sommer oft der Fall – denn dann floriert bei Mister Spex das Geschäft mit den Sonnenbrillen.

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