Dreamliner : Boeing schwebt über den Wolken

Am Sonntag startet der neue „Dreamliner“. Mehr als 600 der neuen Flugzeuge sind bereits verkauft. Airbus steht mit seinem A350 bereits gehörig unter Druck.

Rainer W. During
Boeing 787
Am Sonntag präsentiert Boeing die 787. -Foto: AFP

Berlin - Für den US-Konzern Boeing wird der Traum an diesem Sonntag wahr: In einem weltweit übertragenen Spektakel wird der Prototyp des „Dreamliners“ vor 15 000 Mitarbeitern, Kunden und Gästen in Everett bei Seattle im US-Bundesstaat Washington aus der Werkshalle gerollt. Die Boeing 787 läutet eine neue Ära im Bau von Verkehrsflugzeugen ein. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: die amerikanische Schreibweise des Datums lautet 7/8/07.

Der „Dreamliner“ soll 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und 20 Prozent weniger Abgase produzieren als seine Vorgänger. Der Erstflug des zweistrahligen Flugzeugs wird voraussichtlich im August erfolgen. Gebaut wird die 787 zunächst in drei Versionen für 210 bis 330 Passagiere und Reichweiten zwischen 4600 und 15 750 Kilometern. Die Auslieferung der ersten Maschine an die japanischen All Nippon Airways ist bereits für Mai nächsten Jahres vorgesehen. Mit 46 Kunden, die 642 Maschinen im Gesamtwert von rund 100 Milliarden Dollar (73 Milliarden Euro) bestellt haben, ist der „Dreamliner“ schon jetzt ein Gewinner. „Das ist der stärkste Beweis dafür, dass wir das richtige Flugzeug zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt bringen“, sagte Programmdirektor Mike Blair.

„Boeing ist strategisch in der Pole-Position und gibt momentan das Marschtempo vor“, kommentiert Ulrich Horstmann, Luftfahrtanalyst der Bayerischen Landesbank. Anders als vor zweieinhalb Jahren bei der Premiere des Megajumbos A380, von dem bisher nur 160 Exemplare verkauft werden konnten, ist Airbus in die Defensive gedrängt.

Die Boeing 787 ist das erste große Verkehrsflugzeug, das zur Hälfte aus Kunststoff besteht. Das macht den Jet nicht nur leichter, sondern auch wartungsfreundlicher. Rumpfteile und Tragflächen werden nicht wie beim klassischen Flugzeugbau aus einer Vielzahl von Aluminiumblechen zusammengenietet, sondern in großen Stücken gefertigt. Auf diese Weise werden bis zu 50 000 Nieten eingespart.

Mit der fortschrittlichen Technologie des „Dreamliners“ hatten die Amerikaner die bereits von Produktionsproblemen beim A 380 gebeutelten Europäer zusätzlich unter Druck gesetzt. Airbus war gezwungen, sein zunächst konventionell geplantes Konkurrenzmodell A 350 mit zusätzlichem Milliardenaufwand völlig neu zu konzipieren und wurde so im Zeitplan um drei Jahre zurückgeworfen. Für das jetzt A 350 XWB genannte Flugzeug liegen bisher 230 Aufträge vor. Die Auslieferung wird jetzt erst 2013 beginnen, fünf Jahre nach dem „Dreamliner“.

„Boeing hat das innovativere Design und kommt offenbar besser mit den neuen Verbundwerkstoffen klar“, sagt Analyst Horstmann. Er schließt nicht aus, dass Airbus trotz „extremen Zeitdrucks“ beim A 350 noch einmal nachbessern muss. Das könnte, so der Experte, im Extremfall eine Kapitalerhöhung notwendig machen und für eine erneute Verzögerung von ein bis zwei Jahren sorgen.

Doch auch Fluggesellschaften, die sich jetzt für die 787 entscheiden, müssen eine entsprechende Wartezeit in Kauf nehmen. Die „Dreamliner“-Produktion bis Ende 2013 ist bereits verkauft.

Am Bau der 787 sind auch deutsche Firmen beteiligt. Die Pfalz-Flugzeugwerke in Speyer liefern Rohrleitungen für Kraftstoff- und Hydrauliksystem, Diehl Luftfahrt Elektronik aus Nürnberg produziert die Kabinenbeleuchtung. Rund ein Viertel der „Dreamliner“-Produktion wurde an ausländische Partner vergeben.

Das stabilere und korrosionsfreie Material des „Dreamliners“ bietet auch bei der Gestaltung der Kabine neue Möglichkeiten. So konnten nicht nur die Fenster um 65 Prozent vergrößert werden. Der Luftdruck an Bord der 787 wird einer für die Reisenden optimalen Höhe von 1830 Metern entsprechen – und damit 600 Meter „niedriger“ sein als in herkömmlichen Jets. Gleichzeitig wird die Luftfeuchtigkeit von fünf auf 15 Prozent erhöht, die bei Passagieren häufigen Nasen- und Augenreizungen werden so minimiert.

Der Roll-out um 15.30 Uhr Ortszeit (0.30 MESZ) wird live im Internet übertragen: www.boeing.com oder www.newairplane.com.

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