Dreamliner : Traumschiff mit Verspätung

Boeings Hoffnungsträger "Dreamliner" absolviert seinen Jungfernflug.

Carsten Brönstrup
Dreamliner
Boeing-"Dreamliner" auf Jungfernflug. -Foto: dpa

Berlin - Wenn heute eine Firma ein neues Flugzeug plant, kommt sie meistens zu spät. Das Großflugzeug A 380 wurde erst Jahre nach dem ursprünglich angestrebten Termin an den ersten Kunden ausgeliefert, beim Militär-Airbus A 400 M wird es kaum anders kommen. Boeings 787 Dreamliner („Traumschiff“) macht da keine Ausnahme: Fast drei Jahre nach dem eigentlich vorgesehenen Erstflug hob der neue Jet am Dienstag tatsächlich zu einem mehrstündigen Flug ab.

Der Start vom Boeing-Fabrikgelände in Everett nahe Seattle (US-Staat Washington) war bis zuletzt von einem Regengebiet bedroht worden. Bei den Bedingungen für den Jungfernflug war Boeing sensibel: Es durfte nur schwacher Wind wehen, die Startbahn musste trocken sein, die Sicht gut. Der Hersteller wollte kein Risiko eingehen. Die Technik ist nach Angaben des Konzerns kein Problem mehr. „Was wir bisher gesehen haben, sieht gut aus“, sagte Chefentwickler Mike Delaney nach abschließenden Rolltests am vergangenen Samstag. Da hatte der Jet auf der Piste auf 240 Stundenkilometer beschleunigt und sogar die Nase leicht angehoben.

Für die Amerikaner steht eine Menge auf dem Spiel. „Die 787 ist das erste Flugzeug des 21. Jahrhundert“, findet Jim Albaugh, Chef von Boeings Zivilflugzeugsparte. Es soll endlich wieder ein Erfolg her, nachdem Konkurrent Airbus die Nase vorn hatte, vor allem mit dem A 380.

Die 787 soll deutlich leiser und sparsamer fliegen als Jets vergleichbarer Größe. Dazu wurde sie zu großen Teilen aus Kohlefaser statt wie bislang aus Aluminium gefertigt – mit dem Ziel, ein Fünftel beim Gewicht einzusparen. Das soll auch das Klima für die Passagiere verbessern – die Luftfeuchtigkeit darf höher sein, weil die Kunststoffteile der 787 nicht rosten.

Die neue Technik sorgte allerdings für eine Reihe von Problemen: Die Flügel erwiesen sich als nicht stabil genug, die Verbindung zum Rumpf gelang nicht wie vorgesehen, Zulieferer hatten Qualitätsprobleme, Mechaniker streikten, das Gewicht überstieg den im Prospekt genannten Wert deutlich. Vor allem deshalb verzögerte sich die Auslieferung. Dennoch verfügt Boeing über 865 Bestellungen für das Flugzeug. Tui und Air Berlin haben es auch geordert, die Lufthansa nicht.

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