Wirtschaft : Drei Mal daneben

Evonik muss den Börsengang schon wieder absagen. Der Konzern soll kein Schnäppchen sein.

Regine Palm,Wolfgang Reuter
Kommt da noch was? Schutzhelme warten in einem Veranstaltungsraum eines Evonik-Werks in Japan auf Köpfe. Foto: dapd
Kommt da noch was? Schutzhelme warten in einem Veranstaltungsraum eines Evonik-Werks in Japan auf Köpfe. Foto: dapdFoto: dapd

Düsseldorf - Es sollte der größte Börsengang in diesem Jahr werden. Doch der Traum ist erneut geplatzt: Der Spezialchemiekonzern Evonik hat am Montag seinen für den 25. Juni geplanten Börsengang abgesagt. Damit ist binnen fünf Jahren der dritte Anlauf, an den Kapitalmarkt zu gehen, gescheitert.

„Das Kuratorium der RAG-Stiftung hat der Entscheidung des Vorstands zugestimmt, die Vorbereitung des laufenden Börsengangs der Evonik Industries AG zu beenden“, teilte die Stiftung, die 74,9 Prozent an Evonik hält, mit. Der bei einem Börsengang erzielbare Preis sei „zu weit von einer angemessenen Bewertung der Evonik entfernt“. Die Stiftung hatte im Zuge des jetzt geplatzten Börsengangs eine Bewertung von rund 15 Milliarden Euro für Evonik angepeilt. Und das war deutlich zu hoch gegriffen. „Wir sind uns mit der RAG-Stiftung vollkommen einig, dass wir ein so hervorragendes Unternehmen wie Evonik nicht unter Wert an die Börse bringen wollen. Das aktuelle Kapitalmarktumfeld lässt eine angemessene Bewertung leider nicht zu“, betonte auch der britische Finanzinvestor CVC, der die übrigen 24,9 Prozent des Evonik-Kapitals hält. „Ein Börsengang zu einem späteren Zeitpunkt ist nach wie vor unser erklärtes Ziel. Wir stehen jedoch nicht unter Zeitdruck“, unterstrich CVC.

Seit Ende März hatten die Eigentümer die jüngsten Börsenpläne auch wegen des „guten Geschäftsausblicks“ vorangetrieben. Marktkreisen zufolge wäre bereits der März der ideale, auch von den Banken vorgeschlagene Zeitpunkt gewesen. Damals aber war die RAG-Stiftung wegen eines Personalstreits um die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Bonse-Geuking handlungsunfähig.

Der Spezialchemiekonzern sieht sich heute zwar selbst „in glänzender Verfassung“. Der Börsengang werde nun aber erst ins Auge gefasst werden, „wenn die Lage auf den Finanzmärkten einen angemessenen Erlös ermöglicht“. Die Evonik-Eigentümer und die beauftragten Banken hatten Gespräche mit bis zu 2000 Investoren geführt. In der vergangenen Woche seien in einem konzentrierten Durchgang noch einmal 60 große Investoren angesprochen worden, die erzielbaren Erlöse hätten aber einfach nicht ausgereicht. „Es wäre ein Schnäppchenpreis gewesen, aber der Preis war für uns einfach zu niedrig“, sagte Bonse-Geuking.

Die RAG-Stiftung wollte mithilfe der Einnahmen aus dem Evonik-Börsengang bis 2019 ein Vermögen zur Finanzierung der Folgekosten des deutschen Steinkohlenbergbaus aufbauen. Die letzte deutsche Zeche soll bis zum Jahr 2018 dichtmachen. Was bleibt, sind die „Ewigkeitslasten“ aus dem Bergbau. Dazu zählen die Entwässerungskosten der Zechen sowie Folgeschäden aus dem Bergbau. Dafür werden die Erlöse aus dem Börsengang gebraucht.

Per Ende 2011 wurde der bestehende Kapitalbedarf auf insgesamt 10,8 Milliarden Euro beziffert. Die Stiftung hatte die Kosten zur Deckung der langfristigen Schäden aus dem dann stillgelegten Steinkohlebergbau im Mai mit jährlich 200 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe könnte die Stiftung auch über die Dividenden-Einnahmen von Evonik – rund 300 Millionen Euro jährlich – abdecken, sagte Bonse-Geuking. Hinzu kämen die Kapitalerträge aus rund 1,6 Milliarden Euro Vermögen. „Wir haben eine mehr als hinreichende Liquidität und überhaupt keinen Zeitdruck.“ HB/dpa

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