Wirtschaft : Drei Minuten für eine Idee

Wie Nachwuchsforscher erfolgreich für ihre Erfindungen werben.

Claudia Obmann
Forschergeist. Umweltschutz, zukunftsfähige Wirtschaftsordnung oder Transportmittel von morgen – die Herausforderungen sind immens. Darum ist es so wichtig, die Nachwuchsforscher zu fördern und ihnen Gehör zu verschaffen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Forschergeist. Umweltschutz, zukunftsfähige Wirtschaftsordnung oder Transportmittel von morgen – die Herausforderungen sind...

Reichen drei Minuten aus, um eine Jury von einer neuen Forschungsidee zu überzeugen? Wenn man sie so geschickt nutzt wie Shuo Zhang, schon. Der junge Physiker aus Schanghai war mit seiner revolutionären Idee eines Magnetresonanztomographie-Geräts (MRT), das erstmals Videos etwa vom schlagenden Herzen zeigt, der erste Gewinner des 2011 gestarteten Falling Walls Labs.

Bei diesem neuen Ideen-Wettbewerb treten jeweils 100 Nachwuchsforscher an. Die drei besten dürfen ihr Konzept ab diesem Jahr auf der jährlichen internationalen Falling-Walls-Wissenschaftskonferenz, die stets am Tag des Mauerfalls am 9. November in Berlin stattfindet, vorstellen (siehe Kasten). Wiederum in nur drei Minuten. Neben 16 Forschern aus aller Welt, die in der Hauptstadt präsentierten, an welchen Durchbrüchen in Natur- und Geisteswissenschaften, Ökonomie und Technologie sie gerade arbeiten, waren rund 700 Gäste aus Kultur, Politik und Wirtschaft in Berlin dabei.

Physiker Zhang, der im ostdeutschen Halle sein Master-Studium absolviert und in Göttingen promoviert hat, schlug seine Mitbewerber, weil er Aufnahmen des von ihm entwickelten Video-MRT vorführte, das nicht nur präzise Fotos des menschlichen Herzens liefert, sondern erstmals auch zeigt, wie es schlägt. So brauchte Zhang nur noch in seinem Vortrag zu erläutern, wie seine MRT-Bilder laufen lernten.

Immer wieder hat Zhang seinen Vortrag zu Hause mit der Stoppuhr geprobt und Fachbegriffe gestrichen, damit sein Konzept für jedermann verständlich wurde. Denn in der Jury sitzen neben Wissenschaftlern auch Manager von Siemens oder Audi. „Das ist ganz anders als eine Ergebnispräsentation in der Grundlagenforschung“, sagt Zhang.

Ob Umweltschutz, zukunftsfähige Wirtschaftsordnung oder Transportmittel von morgen – die Herausforderungen sind immens. Forschung wird deshalb interdisziplinärer. Damit gewinnen Veranstaltungen mit einer breiteren Beteiligung wie die Falling-Walls-Konferenz an Bedeutung. Zumal sich so auch neue Kooperationspartner oder Förderer finden lassen. Shuo Zhangs erstes Video des MRT-Geräts ist inzwischen im Deutschen Herz-Kreislauf-Forschungszentrum an der Uniklinik Göttingen im Einsatz, Zhangs Stelle wird vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Den guten Ideen des akademischen Nachwuchses Gehör zu verschaffen, ermöglichen aber auch andere hochkarätige Zirkel. Um gemeinsam über die Wirtschaftswissenschaft und -politik der Zukunft nachzudenken, hat in diesem Jahr zum Beispiel das Institut for New Economic Thinking (Inet), eine Denkfabrik, die sich für mehr Pluralismus und Offenheit in den Wirtschaftswissenschaften engagiert, nicht nur 350 Wissenschaftler, Politiker und Praktiker wie den Inet-Initiator George Soros, Ex-Umweltminister Joschka Fischer und den New Yorker Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz eingeladen. Dabei waren auch junge Forscher aller Disziplinen.

„Wir suchen ökonomische Vordenker - das müssen aber nicht unbedingt Ökonomen sein“, sagt Perry Mehrling, Professor am Barnard College der Columbia Universität und verantwortlich für die „Young Scholar Initiative“ von Inet. Auch angehende Historiker, Politikwissenschaftler, Soziologen oder Juristen können sich bewerben. Anreise und Übernachtungen für die 25 Nachwuchswissenschaftler werden gesponsert. Das nächste Treffen der Initiative wird im März 2013 in Hongkong stattfinden. Ähnliche Fellowship-Programme für Nachwuchs-Wissenschaftler gibt es auch für den alljährlich stattfindenden "Munich Economic Summit" und das Nobelpreisträgertreffen in Lindau am Bodensee.

Wie inspirierend diese exklusive Begegnung mit einigen der genialsten Menschen der Welt für junge Wissenschaftler sein kann, hat Julia Heidemann erlebt. Der Ansturm für das Treffen der Ökonomie-Nobelpreisträger 2006 war riesig: 4500 Bewerber, Talente aus der ganzen Welt, wollten mit den Laureaten debattieren, Heidemann war dabei. Rückblickend sagt die Absolventin des Elitestudiengangs Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg: „Dort wurden die Weichen für meine Promotion gestellt.“

Besonders beeindruckte die damalige Diplomandin, die heute bei McKinsey alsStrategieberaterin arbeitet, der Spieltheoretiker John Nash. Er galt schon früh als mathematisches Genie, erkrankte jedoch mit 30 Jahren an paranoider Schizophrenie. Erst in den 90er-Jahren erholte er sich. ,.Das ist das Besondere an den Lindauer Treffen: Die Wissenschaftler bleiben nicht unter sich, sondern treffen in Seminaren auf die Studenten, um vertraulich und intensiv mit ihnen zu diskutieren. „Acht Nobelpreisträger in drei Tagen hautnah zu erleben, ist unvergesslich“, sagt Heidemann. (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben