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Drei Riesen : Wer sind die Ratingagenturen?
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In der Finanzkrise hat sich herausgestellt, dass die Agenturen verbriefte Kredite mit Topnoten versehen hatten, die später reihenweise ausfielen. Kritiker machen vor allem das Geschäftsmodell hierfür verantwortlich: Die Agenturen bekommen ihr Geld nämlich von den Unternehmen, deren Produkte sie bewerten. Ein Rating kann mehr als hunderttausend Euro kosten, je nachdem, wie aufwendig der Prozess ist. Viele halten diese Praxis für einen unlösbaren Interessenskonflikt. Einige Agenturen sollen ihre Kunden sogar dabei beraten haben, wie sie die faulen Kredite am besten verpacken, um möglichst gute Bewertungen zu erhalten. Die Agenturen halten dagegen: Dies sei keine Beratung gewesen, man habe lediglich die Kriterien offengelegt, nach denen man bewerte. Ein gutes Urteil könne man bei ihnen nicht kaufen. Staaten bezahlen in der Regel nichts für ihr Rating. Bei den jüngsten Bewertungen für Griechenland, Portugal oder Italien werfen vor allem Politiker den Agenturen vor, ihre Urteile seien zu hart und würden die Sparbemühungen der Länder nicht ausreichend berücksichtigen. Die Agenturen verteidigen sich damit, dass sie ihre Kriterien nicht nach den Wünschen der Politik richten könnten, sondern eine Verantwortung gegenüber ihren Investoren hätten. Kritiker beklagen in diesem Zusammenhang oft, dass die großen Drei ihren Hauptsitz in den USA haben – das Land hat trotz Rekordverschuldung immer noch ein Triple-A-Rating.

WIE LÄSST SICH DIE MACHT DER AGENTUREN EINSCHRÄNKEN?

Schon seit Jahren gibt es die Forderung nach einer Europäischen Ratingagentur. Die Amerikaner könnten die Lage auf dem Kontinent gar nicht richtig einschätzen, so das Argument. Dabei gibt es in Europa zahlreiche Ratingagenturen, allein in Deutschland sollen es mindestens 80 sein. Eine davon ist Creditreform, die vor allem Ratings für Mittelständler macht. Um sich auf dem ganz großen Markt bekannt zu machen, dafür brauche man aber noch viel Zeit, sagt ein Sprecher.

Das Europäische Parlament fordert die Einrichtung einer unabhängigen Ratingstiftung, einen Vorschlag dafür hat kürzlich die Unternehmensberatung Roland Berger in Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse vorgelegt. Noch aber ist unklar, wo das Geld dafür herkommen soll – sollten sich die Staaten beteiligen, stünde die Unabhängigkeit wieder infrage.

Die FDP hat einen anderen Vorschlag: Staaten sollen von den von ihnen regulierten Unternehmen verlangen, ein Zweitrating vorzulegen, das nicht von Fitch, Moody’s oder Standard&Poor’s stammt.

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