Wirtschaft : Dresdner Bank erwartet nach einer Studie einen kräfigen Aufschwung

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Bis Ende 2000 reales Wachstum von 2,75 Prozent prognostiziert, Arbeitslosigkeit könnte auf 3,7 Millionen sinkenro

Deutschland steht nach Einschätzung der Dresdner Bank am Anfang einer Hochkonjunktur. Erstmals seit fünf Jahren dürfte damit die Arbeitslosigkeit deutlich unter die Schwelle von vier Millionen fallen. Bis Ende 2000 wird die Zahl der Erwerbslosen nach Einschätzung der Volkswirte der Bank auf 3,7 Millionen absinken. Für das kommende Jahr wird dabei ein reales Wachstum von 2,75 (1999: 1,5) Prozent unterstellt, wie aus einer Konjunkturstudie hervorgeht.

Die Volkswirte der Dresdner Bank erwarten für das Jahr 2000 nicht nur einen kräftigen Aufschwung, sie sind mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung der nächsten Jahre fast sogar euphorisch: "Ich wage die Prognose, dass wir in Deutschland am Anfang einer langfristigen Phase stehen ähnlich wie in den USA vor zehn Jahren", sagt Chef-Volkswirt Klaus Friedrich. Zwar werde ein starker Export diese Entwicklung anschieben, "aber mittelfristig bekommen wir einen Aufschwung, der auf einer kräftigen Binnennachfrage basiert". Trotz starken Wirtschaftswachstums werden die Preise stabil bleiben, glauben die Dresdner Bank-Volkswirte. Auch auf den Arbeitsmarkt strahlt diese Entwicklung aus: Ende 2000 liege die Zahl der Menschen ohne Job bei rund 3,7 Millionen. Derzeit sind es noch deutlich über vier Millionen.

Die Wachstumsdelle und das Tief seien bereits überwunden, der Umschwung sei da. Schon das dritte Quartal wird nach Ansicht von Friedrich ein "Bombenquartal" mit einem Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr, als noch Stagnation verzeichnet wurde. Für 1999 rechnet die Dresdner Bank für Deutschland mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, für 2000 mit 2,75 Prozent. "Die wirkliche Lage ist dabei viel besser als das, was sich statistisch abzeichnet." Der Privatsektor sei dabei, notwendige Strukturreformen umzusetzen. Damit gebe es hohe Produktivitätszuwächse. Die Deregulierung etwa in der Telekommunikation und auf dem Strommarkt führe zu mehr Wettbewerb und strahle positiv auf die Preisentwicklung aus. Mit der positiven Konjunktureinschätzung verbindet Friedrich allerdings kein Lob für die Bundesregierung. "Das alles passiert trotz und nicht wegen der derzeitigen Wirtschaftspolitik." Trotzdem räumt er aber ein, dass die Regierung den Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt eingeschlagen habe.

Neben dem Export und der Binnennachfrage sind auch die Ausrüstungsinvestitionen ein wichtiger Faktor für den deutlichen Aufschwung. Gewisse Risiken sieht die Dresdner Bank in der Entwicklung der Rohstoffpreise. Während Öl im kommenden Jahr vermutlich nicht noch teurer werde, müsste aber für die anderen Rohstoffe wegen der kräftigen Weltwirtschaft mehr auf den Tisch gelegt werden. Weil Deregulierung und der schärfere Wettbewerb aber für sinkende Preise sorge, werde es auch im nächsten Jahr nur einen "moderaten" Preisauftrieb von 1,8 Prozent geben. 1999 werde die Inflationsrate lediglich bei 0,6 Prozent liegen. Auch die Tariflöhne werden nach Ansicht der Dresdner Bank im Jahr 2000 nur moderat steigen.

Auch die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute hatte sich zuletzt optimistisch über den Konjunkturverlauf im kommenden Jahr geäußert. Erst in der vergangenen Woche hatte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Lutz Hoffmann, mit einer Wachstumsprognose von drei Prozent überrascht.

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