Wirtschaft : Dresdner Bank: Fusionsdebakel nicht verdaut

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Während die Deutsche Bank am Mittwoch die Finanzwelt mit sehr guten Ergebnissen für die ersten neun Monate überraschte, scheint die Dresdner Bank die Folgen der gescheiterten Fusionsgespräche mit der Deutschen und der Commerzbank nicht überwunden zu haben. Zwar weist sie - ohne Sonderaufwand - einen Gewinn nach Steuern von 1,124 Milliarden Euro aus und damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 56 Prozent. Aber Aufwendungen im Zusammenhang mit den fehlgeschlagenen Zusammenschlüssen und mit der geplanten Schließung von rund 300 Filialen sorgen für einen einmaligen Sonderaufwand von 819 Millionen Euro und damit für einen deutlichen Rückgang des Gewinnes nach Steuern um 17,5 Prozent auf 592 Millionen Euro.

Analysten sind zudem über das Ergebnis im dritten Quartal enttäuscht, das nur bei 205 Millionen Euro lag und damit rund 130 Millionen Euro niedriger war als im dritten Quartal des Vorjahres. Nach Ansicht von Volker von Krüchten, Bankenanalyst bei der BHF Bank, hat die Dresdner Bank damit im dritten Quartal im operativen Bankgeschäft praktisch nichts verdient, weil sie auch Erträge aus dem Verkauf von Finanzanlagen in Höhe von 254 Millionen Euro ausweist. Die Bank kommt nach Ansicht des Analysten mit der Umsetzung ihrer auf Eigenständigkeit zielenden Strategie einer europäischen Beraterbank zu langsam voran. Zudem vermutet er nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit den beiden anderen Großbanken Motivationsprobleme unter den Mitarbeitern. Die Akquisition des US-Investmenthauses Wasserstein Perella für knapp 1,6 Milliarden Euro war nach Ansicht von von Krüchten zu teuer und hat die Dresdner Bank nicht entscheidend nach vorne gebracht. Das Geld hätte sie seiner Ansicht nach besser in Europa investiert. Der Vorstand verweist allerdings darauf, dass man sich auch in Europa mit der Übernahme der Orbis Trust Group, eines größeren Vermögensverwalters, im Privatkundengeschäft deutlich verstärkt habe. Das Ergebnis der Dresdner Bank wurde aber auch durch Sonderfaktoren geschmälert. Allein 489 Millionen Euro musste die Dresdner Bank unter dem Stichwort "Sicherung der Wettbewerbsposition" unter anderem für Bonuszahlungen ausgeben, die bereits bei der grundsätzlich vereinbarten, aber dann doch gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank zugesagt worden waren. Daneben wird die Bank in den nächsten Jahren rund 300 ihrer etwa 1100 Filialen schließen und rund 5000 Stellen abbauen. Dafür muss sie schon im laufenden Jahr rund 330 Millionen Euro aufwenden. Im eigentlichen Bankgeschäft kann das Geldhaus in den ersten neun Monaten freilich deutliche Zuwachsraten vorweisen. Der Provisionsüberschuss kletterte um 35 Prozent auf 3,25 Milliarden Euro. Über die Hälfte des Anstiegs von 836 Millionen Euro entfiel dabei auf das Wertpapiergeschäft. Im Eigenhandel mit Wertpapieren, Devisen und Edelmetallen gab es trotz der Turbulenzen in den letzten Wochen ein Plus von 40 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro. Auch in den einzelnen Sparten erreichte sie eine deutliche Steigerung: Im Firmenkundengeschäft gab es ein Plus von 69 Prozent auf 354 Millionen Euro, im Investmentbanking von 27 Prozent auf rund eine Milliarde Euro und im Privatkundengeschäft eine Verdoppelung auf 448 Millionen Euro.

So erfolgreich wie die Deutsche Bank war die Dresdner im Privatkundengeschäft allerdings nicht: Die Deutsche Bank konnte das Ergebnis der Bank 24 in den ersten neun Monaten auf 848 (Vorjahr: 273) Millionen Euro steigern. Neben einem einmaligen Sonderertrag von 2,2 Milliarden Euro trug dieses Ergebnis bei der Konkurrenz maßgeblich zum guten Gewinn nach Steuern von 4,37 Milliarden Euro bei.

Für das Gesamtjahr rechnet die Dresdner Bank angesichts der Belastungen aus den gescheiterten Fusionen, wegen der Restrukturierungskosten und wegen einer Schieflage bei der Hypothekenbank-Tochter nur "mit einem der Situation angemessenem Ergebnis."

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