Wirtschaft : Dresdner Bank: Gedankenaustausch mit Commerzbank bestätigt

Nach tagelangen Spekulationen haben Commerzbank und Dresdner Bank am Montag erstmals bestätigt, dass sie Gespräche über eine Zusammenarbeit führen. Laut einer Mitteilung der beiden Institute befinden sich die Gespräche in einem sehr frühen Stadium. Angesichts der Größe der beiden Häuser und der Tragweite des Themas werde sich erst nach sorgfältiger Prüfung zeigen, ob ein tragfähiges Konzept entwickelt werden könne, hieß es in gleichlautenden Presseerklärungen beider Banken. Dabei seien die Interessen aller zu berücksichtigen. Commerzbank und Dresdner Bank würden sich über den weiteren Verlauf ihres "Gedankenaustauschs" zunächst nicht wieder öffentlich äußern.

Nach Einschätzung von Experten könnte eine Fusion durchaus Sinn machen. Commerzbank und Dresdner Bank weisen nach Meinung der WGZ-Bank wenig miteinander konkurrierende Überschneidungen auf. Die Dresdner Bank sei vor allem dank ihrer Tochter Kleinwort Benson, an der die Fusion mit der Deutschen Bank gescheitert war, stark im Investmentbanking. Die Commerzbank sei mit ihrer Tochter Comdirect sehr gut im Onlinebanking aufgestellt.

Die Beteiligungsgesellschaft Cobra, die 17 Prozent an der Commerzbank hält, steht den Plänen beider Großbanken generell skeptisch gegenüber. Nur wenn sich das Vermögen der Aktionäre mehre, werde eine Fusion unterstützt, sagte Cobra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann der "Financial Times Deutschland". Er bedauerte, bislang nicht in die Gespräche zwischen beiden Banken einbezogen worden zu sein und drohte offen mit einer Blockade auf der Hauptversammlung. Sollte der Kurs fallen, müsse Cobra andere Optionen erwägen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte Hofmann, Cobra sei in der Lage ihren Anteil von derzeit 17 Prozent auf 25 Prozent und eine Stimme zu erhöhen. Cobra hätte damit eine Sperrminorität bei allen wichtigen Entscheidungen.

Die Gewerkschaften erneuerten am Montag ihre Warnungen vor einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen. DAG-Vortandsmitglied Gerhard Renner schloss einen Personalabbau von bis zu 30 Prozent nicht aus. Da beide Banken derzeit im Ausland nicht so stark positioniert seien, wären Kosteneinsparungen nur im Inland möglich. Uwe Foullong von der Gewerkschaft Handel Banken und Versicherungen, der auch im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, hielt eine Zusammenarbeit bei der Auftragsabwicklung für möglich. Zu befürchten sei in diesem Zusammenhang aber, dass die Banken die Abwicklung auslagerten. Der für Banken zuständige HBV-Sekretär Herbert Mayer erklärte, bei einer Vollfusion stünden bis zu 10 000 Arbeitsplätze zur Disposition. Nach Meinung Bayers sind beide Institute auch allein lebensfähig. Die Unternehmen seien von Managementvorstellungen getrieben, einen Zugewinn für die Aktionäre zu erzielen. Zum Ende des vergangenen Jahres beschäftigte die Commerzbank rund 35 000 Mitarbeiter, die Dresdner Bank etwa 50 000 Mitarbeiter.

Die Dresdner Bank hatte allerdings bereits vor den Gesprächen angekündigt, rund 5000 Stellen streichen zu wollen. Zudem gab das Institut am Montag bekannt, dass es sein Geschäftsfeld Informationstechnologie (IT) mit Wirkung vom Juli an ausgliedert. Die Dresdner Global IT-Service GmbH (Dregis) soll als eigenständiges Unternehmen und 100-prozentige Tochter der Bank auftreten. Geleitet werden soll das IT-Service-Geschäftsfeld mit einer Doppelspitze. Gunter Frank war bisher Mitleiter des Konzernstabes Informationstechnologie der Dresdner Bank, Michael Foit ist seit einem Jahr bei der Dresdner Bank und war zuvor Geschäftsführer eines IT-Dienstleistungsunternehmens. In der Zentrale in Frankfurt (Main) und den Einheiten in München und Singapur arbeiten zurzeit rund 1000 Mitarbeiter. Das junge Unternehmen plant im Jahr 2000 einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro (rund 595 Millionen Mark).

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