Wirtschaft : Dresdner Bank gliedert Beteiligungen aus

FRANKFURT (MAIN) (kr/HB/rtr).Daß auch die Dresdner Bank sich mit der Frage befaßt, ob sie ihr Portefeuille an Nicht-Banken-Beteiligungen neu ordnen soll, war in Bankenkreisen allgemein bekannt.Ebenso, daß ihr für Entscheidungen nicht mehr viel Zeit blieb.Denn die neue Bundesregierung hat bei ihren steuerlichen Reformplänen den Mitunternehmer-Erlaß auf die "Streichliste" gesetzt.So gesehen stellt der noch im alten Jahr verwirklichte Beschluß des Bankhauses, wichtige Beteiligungen aus der Dresdner Bank AG auszugliedern und auf selbständige Besitz-Gesellschaften zu übertragen, keine große Überraschung dar.

Wenn auch aus steuerlichen Gründen Eile geboten erschien, handelt es sich bei dem Beschluß, ein halbes Dutzend Aktienpakete zu separieren, keineswegs um einen Schnellschuß, wie ein Sprecher der Großbank auf Anfrage versicherte.Zurückgewiesen wird vor allem der Verdacht, daß sich die Dresdner Bank ein Beispiel an der Deutschen Bank genommen habe: Diese hatte eine gute Woche vor Weihnachten mitgeteilt, daß sie den größten Teil ihres Nicht-Banken-Besitzes auf eigenständige Tochtergesellschaften ausgliedere, damit Industriebeteiligungen im Wert von 47 Mrd.DM ausgliedere und zu einem rechtlich selbständigen Profit-Center für ein aktives Portfolio-Management mache.Sein Haus habe schon früher daran gearbeitet, betonte der Sprecher der Dresdner Bank und verwies darauf, daß schon vor Jahren nach diesem Modell-Grundstücke ausgegliedert worden seien.Die Deutsche Bank hatte Mitte Dezember klargestellt, daß die Ausgliederung nicht der Auftakt für eine große Verkaufsaktion sei.Andererseits sei der Beteiligungsbesitz des Bankkonzerns nicht "in Stein gemauert".Es gehe dem Konzern um die Optimierung seines Portfolios, hatte Bankchef Rolf Breuer zu den bevorstehenden Transaktionen erklärt.

Ausgegliedert hat die Dresdner Bank ihre Beteiligungen an der Allianz AG, der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (jeweils 10 Prozent Kapitalanteil), der AMB Aachener und Münchener Beteiligungs-AG (5,1 Prozent), der Bayerischen Motorenwerke AG (5,0 Prozent), der Heidelberger Zement AG (20,9 Prozent) und der Fresenius AG.

Für sie errechnet sich ein Börsenwert von insgesamt 25 Mrd.DM.Ihr Buchwert bemißt sich auf insgesamt 7 Mrd.DM.Die unrealisierten Reserven belaufen sich auf 18 Mrd.DM.

Bei der Transaktion werden 20 Prozent der unrealisierten Reserven (3,6 Mrd.DM) mobilisiert.Aus der Übertragung resultiert für die AG nach Steuern (45 Prozent) eine Zuführung von 2 Mrd.DM.Auf Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung des Konzern oder dessen Kernkapital hat die Transaktion keine Auswirkungen.Als Rechtsform wurde die GmbH & Co KG gewählt, als Sitz Bad Vilbel erkoren (jährliche Ersparnis an Gewerbesteuer 4 Mill.DM).

Bei der AG verbleiben die Beteiligungen an der Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft (25,1 Prozentz), der Bremer Woll-Kämmerei AG (14,7 Prozent), der Metallgesellschaft AG (12,6 Prozent), der Buderus AG (11,4 Prozent), der Dyckerhoff AG (10,0 Prozent), der Karstadt AG (10,0 Prozent) sowie der Continental AG (5,3 Prozwent).Auch Herlitz Falkenhöh soll weiter im Besitz der Bank bleiben.Der Kurswert dieser Pakete liege "nicht unter 5 Mrd.DM".

Im Unterschied zur Deutschen Bank, die von der Möglichkeit sprach, die Positionen künftig aktiv und professionell zu managen, betont die Dresdner Bank, daß es sich nicht um eine neue geschäftspolitische Ausrichtung handelt; es werde kein neues Profit-Center geschaffen.Die Großbank nimmt vielmehr für sich in Anspruch, in der AG schon seit langem ein aktives Portfolio-Management betrieben zu haben.Von der Umgestaltung verspricht sie sich "mehr Flexibilität beim Fitmachen der Gruppe für die Zukunft".Hierzu dürfte auch die Absicht zählen, im Sommer den Gang an die Börse von New York zu wagen.

Der Sprecher verneinte allerdings auf Anfrage aktuelle Pläne etwa zum Verkauf von Beteiligungen.

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