Wirtschaft : Dresdner Bank muß für falsche Beratung zahlen

Über 70 000 DM Schadensersatz für zwei Fokker-Anleger

MÜNCHEN/NÜRNBERG (rtr/AFP).Die Dresdner Bank muß nach einem Gerichtsurteil mehr als 70 000 DM Schadensersatz an zwei Käufer von Fokker-Anleihen zahlen.Die Bank habe ihre Beratungspflicht verletzt und ihren Kunden nicht deutlich gemacht, daß Fokker zum Zeitpunkt des Anleihekaufs 1993 ein Sanierungsfall gewesen sei, begründete das Gericht sein Urteil am Mittwoch in Nürnberg.Das Institut habe die beiden Anleger nur unzureichend über die Risiken aufgeklärt, die mit den Anleihen des später zusammengebrochenen niederländischen Flugzeugbauers 1993 verbunden gewesen seien.In seiner Urteilsbegründung erklärte das Gericht, bankintern seien Fokker-Anleihen als eher risikobehaftete Papiere eingestuft worden.Doch der für die Einstufung zuständig Bankmitarbeiter habe die Fokker-Anleihen in dem Informationssystem, das den Anlageberatern der Dresdner Bank als Verkaufsgrundlage dient, in die Gruppe der sicheren Anlagen eingereiht, weil hinter Fokker der niederländische Staat und die Daimler Benz-Tochter DASA standen. Ein Bank-Vertreter kündigte nach der Urteilsverkündung an, man werde sich jetzt beraten und möglicherweise in Revision gehen.Ein Sprecher des Instituts in Frankfurt sagte, dieses Einzelfall-Urteil gefalle der Bank nicht.Für weitere Entscheidungen müsse jetzt erst die schriftliche Urteilsbegründung abgewartet werden.Die Dresdner Bank sei noch immer der Meinung, die Kunden sachgerecht beraten zu haben.Der Sprecher sagte nicht, ob die Bank mit weiteren Schadensersatzforderungen rechne. In seiner Urteilsbegründung erklärte das Gericht, Banken seien gegenüber Kapitalanlegern zu einer sachgerechten, auf den jeweiligen Kenntnisstand des Kunden abgestimmten Beratung verpflichtet.Die Bank habe den Anlage-Interessenten so viele Informationen zu vermitteln, daß diese eine fundierte Entscheidung treffen könnten.Dies gelte besonders in einem Fall, wenn Anleger - wie hier - auf eine sichere Anlage Wert legten.In einem der beiden Fälle, in dem es um 63 000 DM Schadensersatz ging, könne die Bank noch Revision beim Bundesgerichtshof einlegen.Im zweiten Fall sei das nicht möglich. Die beiden Anleger hatten der Dresdner Bank vorgeworfen, sie beim Kauf von Anleihen nicht auf das Risiko hingewiesen zu haben.Die Kläger hatten mit Fokker-Anleihen rund 75 000 Mark verloren und verlangten dafür volle Entschädigung.Die erste Instanz hatte die Forderung abgewiesen.

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