Wirtschaft : Dresdner Bank ordnet Führungszirkel neu

"Steuersünder" Adenauer bleibt vorerst Mitglied des Vorstandes

FRANKFURT (MAIN) (ro).Mit der Ernennung von zwei neuen ordentlichen Vorstandsmitgliedern und eines neuen ausschließlich für das Investment-Geschäft zuständigen "Executive Chairman" hofft der Aufsichtsrat der Dresdner Bank die monatelange Unruhe im Vorstand des Geldhauses beenden zu können.Zugleich segnete das Kontrollgremium den Kauf der Advance Bank, der Direktbank der Bayerischen Vereinsbank, ab.Angeblich überweist die Dresdner Bank dafür 350 Mill.DM."Steuersünder" Hans-Günther Adenauer bleibt aber offenbar weiterhin Mitglied des Vorstandes.In der Mitteilung des Aufsichtsrats wird Adenauer überhaupt nicht erwähnt."Herr Adenauer übt seine Dienstgeschäfte nicht mehr aus, er bleibt beurlaubt", war der einzige Kommentar eines Bank-Sprechers. Im Gegensatz zu Adenauer hatte Aufsichtsratschef Wolfgang Röller im Spätsommer sofort seinen Hut genommen, als gegen ihn Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung bekannt geworden waren.Diese Nicht-Entscheidung im Fall Adenauer war die einzige Überraschung der gestrigen Aufsichtsratsitzung.Hintergrund dafür könnte Adenauers Forderung nach einer vergleichsweise hohen Abfindung sein.Der Großneffe des früheren Bundeskanzlers, hatte sich schon vor über einem Jahr per Selbstanzeige der Steuerhinterziehung bezichtigt und mußte dem Vernehmen nach 400 000 DM an den Fiskus nachzahlen.Daß er nach wie vor offiziell im Vorstand sitzt, trifft bei vielen Mitarbeitern der Dresdner Bank auf Unverständnis. Auch Vorstandssprecher Jürgen Sarrazin bleibt jetzt offenbar bis zur Hauptversammlung im Amt.Neu in den Vorstand der zweitgrößten deutschen Bank rücken ab 1.Januar 1998 Ernst-Moritz Lipp und Joachim von Harbou.Hansgeorg Hofmann scheidet aus dem Führungskreis aus.Er soll ab sofort von London aus bei der Dresdner Kleinwort Benson das Investment-Geschäft der Dresdner Bank steuern.

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