Wirtschaft : Dresdner Bank sieht ökonomische Zeitenwende: Starkes Wachstum und weniger Arbeitslose

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Der Wirtschaftsaufschwung in Europa steht nach Ansicht der Volkswirte der Dresdner Bank auf immer festerem Boden. "Wir erleben eine ökonomische Zeitenwende und stehen in einer nachhaltigen, strukturbedingten Aufschwungphase", sagte Chef-Volkswirt Klaus Friedrich am Dienstag in Frankfurt. Die Gefahr, dass diese Entwicklung wie 1995 und 1998 ins Stocken gerate, bestehe diesmal nicht. Für Deutschland erwartet die Dresdner Bank in diesem Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 2,7, im nächsten Jahr um 3,0 Prozent. Für den Euro-Raum sagen die Volkswirte Wachstumsraten von 3,1 und 3,2 Prozent voraus. Risiken für ihre Prognose sehen die Volkswirte nur dann, wenn das Wachstum in den USA schnell zum Erliegen kommen sollte oder wenn Öl- und Rohstoffpreise weiter steigen.

Die positive Entwicklung habe endlich auch nachhaltige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Mittlerweile wachse die Beschäftigung in Euroland tendenziell stärker als in den USA. Für 2000 erwarten die Volkswirte in Deutschland einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen um rund 300 000 auf rund 3,8 Millionen. Bis Ende 2001 soll es erneut 370 000 Arbeitslose weniger geben. Die Arbeitslosenrate in Deutschland werde dann auf rund acht Prozent sinken. Nach Ansicht von Friedrich tragen auch die Tarifabschlüsse und die Politik zu dieser Entwicklung bei: "Die Wirtschaft wächst nicht mehr trotz, sondern mit Hilfe der Wirtschaftspolitik in Europa."

Die von der Dresdner Bank schon im Oktober gestellte günstige Prognose wird von weiteren wichtigen Weichenstellungen begleitet. Zwar wird das Wachstum auch im Jahr 2000 vom Export getragen, der um 9,5 Prozent expandiert und vom schwachen Euro unterstützt werde. Aber im Jahr 2001 soll die Ausfuhr "nur" noch um 6,8 Prozent zulegen. Dann werde endlich auch der private Verbrauch richtig anzuziehen, glauben die Volkswirte der Dresdner Bank. Im Jahr 2000 erhöhen sich die verfügbaren Einkommen in Deutschland um 4,1 Prozent, der private Verbrauch legt um 2,6 Prozent zu. 2001 sollen dann die privaten Haushalte mit ihren um 5,2 Prozent höheren verfügbaren Einkommen den privaten Verbrauch um 3,4 Prozent steigen lassen und damit das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland kräftig stützen. "Im Jahr 2000 erleben wir noch einen Exportboom, in 2001 dann einen Konsumboom", verspricht Dresdner Bank-Volkswirt Rolf Schneider.

Das kräftige Wachstum wird nach Ansicht der Experten sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr in Deutschland und in Europa von Preisstabilität gekennzeichnet sein. Im März habe die Preissteigerungsrate zwar bei 2,0 Prozent gelegen, im April werde sie aber schon wieder auf 1,5 Prozent sinken. Für das gesamte Jahr erwarten die Volkswirte in Deutschland eine Inflationsrate von 1,5 Prozent, im Jahr 2001 werde sie noch darunter liegen. Vor allem im Inland gebe es wegen der moderaten Tarifabschlüsse keinen Inflationsdruck. Gleichwohl erwarten die Volkswirte weitere Zinserhöhungen. Das Zinsniveau sei immer noch niedrig, die Geldpolitik expansiv, die Liquiditätsversorgung reichlich und das Wachstum stärker als die EZB für die nächsten Jahre im Trend annehme. "Deshalb spricht viel für eine neutrale aber nicht für eine restriktive Geldpolitik. Außerdem gehe es um die Glaubwürdigkeit der EZB", heißt es bei der Dresdner Bank. Noch im zweiten Quartal erwartet man eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte, bis zum Jahresende einen weiteren Schritt in der Höhe.

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