Wirtschaft : Dresdner Bank soll Interesse an Franzosen haben

LONDON/PARIS (AP/AFP).Die Dresdner Bank will sich nach einem Bericht der britischen Zeitung "Independent" in die angestrebte Megafusion von drei führenden französischer Banken einschalten.Die Banque Nationale de Paris (BNP) will die Institute Paribas und Société Générale (SG) für umgerechnet 66 Mrd.DM übernehmen und damit gemessen an der Bilanzsumme den größten Bankkonzern der Welt schmieden.Die Zeitung berichtete in ihrer Donnerstagsausgabe, daß in Paris bereits spekuliert werde, ob die Frankfurter Bank die beiden Übernahmekandidaten SG und Paribas kaufen wolle.Die französische Banque Nationale de Paris (BNP) hatte am Mittwoch überraschend die feindliche Übernahme der beiden Konkurrenten angekündigt.Die Dresdner Bank lehnte jede Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Laut der britischen Zeitung kann die drittgrößte deutsche Geschäftsbank es nicht zulassen, daß die BNP oder die SG in die Hände einer anderen ausländischen Bank fallen.Dabei seien zwei Möglichkeiten denkbar: Zum einen könnte die Dresdner Bank ein eigenes Gebot abgeben, oder sich der Offerte der BNP anschließen.Das deutsche Kreditinstitut ist mit der BNP durch eine einprozentige Überkreuzbeteiligung verbunden.

Unterdessen loten die betroffenen Banken ihren Handlungsspielraum aus.Die Aufsichtsräte von SG und Paribas wollten sich am Donnerstag abend und Freitag morgen in Paris treffen, um Strategien zu beraten.Ein Ergebnis der Beratungen lag zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe noch nicht vor.Die Spitzen beider Banken hatten das BNP-Kaufangebot am Mittwoch als "feindlich" bewertet.

Eine Schlüsselrolle bei den Beratungen dürfte dem Präsidenten des Versicherungskonzern Axa, Claude Bébéar, zufallen, der in beiden Gremien vertreten ist.Die Versicherung, die mit sieben Prozent an Paribas und sechs Prozent an der BNP beteiligt ist, unterstützt die geplante Großfusion.

Analysten gingen davon aus, daß die Handlungsmöglichkeiten von Paribas und SG eher gering sind.Als Alternative käme die Beteiligung einer ausländischen Bank in Frage, um das Kaufangebot der BNP zu kontern.Spezialisten schlossen daher eine Einflußnahme des Pariser Wirtschafts- und Finanzministeriums nicht aus, um die drei Banken zu einer Verständigung zu drängen.In einer gemeinsamen Erklärung hatten das Ministerium und die Zentralbank die Banken gemahnt, auch das "nationale Interesse" zu berücksichtigen.

Bei den Belegschaften von Paribas und SG herrschte unterdessen eine gespannte Atmosphäre."Die Angestellten fürchten, daß Paribas an den Rand gedrängt werden könnte", hieß es bei der Geschäftsbank.Die Gewerkschaften hatten schon am Mittwoch vor drastischen Arbeitsplatzverlusten gewarnt.Die Bankengewerkschaft der kommunistisch geführten CGT forderte die Regierung auf, die Mitarbeiter vor den Folgen einer "brutalen Umstrukturierung" zu schützen.Die Gewerkschaft CFDT forderte ein Treffen mit Finanzminister Dominique Strauss-Kahn.Das Finanzministerium solle einen Runden Tisch zur Konzentration im Bankwesen organisieren, forderten die Arbeitnehmervertreter.Die drei Banken beschäftigen über 130 000 Menschen.

Die Pariser Börse reagierte am Donnerstag nach anfänglicher Hektik positiv auf die geplante Großfusion der drei Institute zur größten Bank der Welt.Die Titel von Paribas und SG zogen bis zum Mittag um 15 beziehungsweise 10,8 Prozent an; auch die Aktie Banque Nationale de Paris legte um fünf Prozent zu.

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