Wirtschaft : Dresdner Bank spürt die Krise

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Dresdner Bank wird durch Krisen in Rußland und Asien und durch die Verluste des Hedge Fonds LTCM Belastungen von mindestens 520 Mill.DM zu verkraften haben.Dies räumte Vorstandssprecher Bernhard Walter am Mittwoch abend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten ein.Dem stünden allerdings im Vergleich zum Vorjahr deutlich höhere Erträge im ersten Halbjahr im Privatkundengeschäft, im Investmentbereich und in der Vermögensverwaltung gegenüber.Auch im dritten Quartal hätten sich die Ergebnisse im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung verbessert.Außerdem habe man Erträge aus Finanzanlagen in Höhe von 1,2 Mrd.DM in diesem Jahr bislang erst zur Hälfte verbucht."Das alles bringt uns einen Ausgleich für die Einbußen der letzten Monate.Deswegen ist noch lange nicht raus, ob wir in diesem Jahr ein niedrigeres Ergebnis haben werden als 1997", meinte der Dresdner Bank-Chef.

Die Krise der letzten Wochen hat nach Ansicht von Walter wieder einmal die Vorzüge des Universalbankensystems gezeigt."In diesem System ist ein Risikoausgleich möglich".Damit werde die Krise für die Dresdner Bank bei weitem nicht den allgemein befürchteten Umfang annehmen.Walter ist sich auch sicher, daß sein Haus mit der für das gesamte Jahr vorgesehenen Risikovorsorge von vermutlich rund 1,3 Mrd.DM auskommen wird.Möglicherweise werde man diese Quote sogar nicht einmal ausschöpfen müssen.

Im einzelnen muß die Dresdner Bank 240 Mill.DM auf ihr Investment bei LTCM abschreiben.Walter betont aber, daß man unter dem Strich mit einem Gewinn aus diesem Investment herauskomme, weil man in den Vorjahren hohe Überschüsse habe kassieren können.Im Blick auf Rußland muß die Dresdner Bank 100 Mill.DM auf kurzfristige russische Staatsanleihen abschreiben und für nach 1991 an Rußland gegebene Kredite Rückstellungen in Höhe von 180 Mill.DM bilden.Sollte sich die Krise in Lateinamerika ausweiten, muß die Bank möglicherweise auch dort Vorsorge für ihre Außenstände bilden.Das Engagement der Dresdner Bank in Lateinamerika beziffert Walter mit 3,2 Mrd.DM.

Das Investment in LTCM war in den Augen Walters richtig.Die Initiatoren des Fonds, darunter immerhin zwei Nobelpreisträger, seien mit völlig neuen Anlagestrategien angetreten."Da wollten wir dabei sein und sehen, wie gut die das können." Über das Risiko sei sich die Dresdner Bank im klaren gewesen.Dennoch wird das Institut aufgrund seiner jüngsten Erfahrungen zumindest vorerst die Hände von solchen Fonds lassen.

Einen Dominoeffekt und Auswirkungen für die Finanzmärkte und unbeteiligte Anleger sieht Walter im Gegensatz zu anderen Bankern durch Krisenfälle wie bei LTCM nicht."Ich kann nicht erkennen, wer alles hätte geschädigt werden können außer den Investoren, die drin waren." Auch eine weltweite Gefahr kann Walter nicht ausmachen.Er kündigte auch an, daß die Dresdner Bank als erstes deutsches Geldhaus ihre Aktien im kommenden Jahr an der Wall Street listen lassen will.Damit wolle man das Engagement im größten Kapitalmarkt der Welt untermauern.

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