Wirtschaft : Dresdner-Bank-Vorstand von Harbou kündigt scharfe Konkurrenz zu den Sparkassen an

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Die neue Bank 24, deren Gründung derzeit von der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Allianz vorbereitet wird, soll aggressiv in den Markt für Privatkunden gehen. "Die Sparkassen werden sich warm anziehen müssen", sagte Joachim von Harbou, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, in München. Die Bank 24 plane einen "sehr offensiven Marktauftritt", die Allianz habe viel vor. "Ein starkes Wachstum ist vorprogrammiert", fügte von Harbou an.

Von Harbou ist desiginiertes Vorstandsmitglied im neuen Deutsche/Dresdner-Konzern und wird dort voraussichtlich das Privatkunden-Geschäft betreuen. Er räumte ein, dass die geplante Trennung von vermögenden Privatkunden (ab einem Vermögen von 200 000 Mark) und "normalen" Retail-Kunden schwierig werden wird. Im neuen Konzern werden den Planungen zufolge rund 600 eigenständige Geschäftsstellen bis zu 800 000 gehobene Privatkunden betreuen. Damit komme der neue Konzern in diesem Segment auf einen Marktanteil von 20 Prozent, sagte von Harbou. Die neue Deutsche Bank wolle keine Kunden abschieben: "Wir kämpfen um jeden Kunden", betonte Harbou. Ziel sei es alle Kunden an ihren angestammten Betreuer zu binden, unabhängig davon, in welchem Institut er künftig tätig sei. Die Zeit der "Kontobindung auf Lebenszeit" sei ohnehin vorbei. Mit der Bank 24 werde eine langfristige Vertriebsvereinbarung geschlossen.

Auch die Advance-Bank, die Direktbank-Tochter der Dresdner, werde im neuen Konzern bleiben und dem Bereich vermögende Privatkunden zugeordnet. Bereits 80 Prozent der Advance-Kunden erfüllten die Kriterien. Die Direktbank werde weiterhin Beratungsleistungen anbieten und soll einen europaweiten Expansionskurs steuern.

Die ausgegliederte Bank 24 wird nach Angaben von Harbous mit rund 10 Millionen Kunden, 1700 Geschäftsstellen und 24 000 Mitarbeitern auf einen Marktanteil von zehn Prozent kommen und vom Start an die viertgrößte Bank in Deutschland sein (hinter der neuen Deutschen Bank, HypoVereinsbank und Commerzbank), sagte von Harbou. Die Bank würde von Anfang an schwarze Zahlen schreiben. Einen großen Teil des Restrukturierungsaufwands wird die Deutsche/Dresdner Bank übernehmen. Bis spätestens Ende diesen Jahres werde die Dresdner Bank ihr Retail-Geschäft ausgliedern und in die Bank 24 einbringen. Dadurch sinkt der Allianz-Anteil auf 32 Prozent. Der Versicherungskonzern habe sich im Rahmen des dann geplanten Börsengangs der Bank 24 die Option gesichert, den Anteil auf knapp über 50 Prozent aufzustocken, berichtete von Harbou. Die neue Deutsche Bank strebe nach dem Börsengang einen Anteil an der Bank 24 von zehn Prozent an. Über den möglichen Wert der Bank 24 machte von Harbou keine Angaben. Die Allianz zahlte für ihren Einstieg 1,5 Milliarden Euro, danach wäre die Bank nur gut 4,5 Milliarden Euro wert.

Von Harbou verteidigte noch einmal die Vollfusion der beiden Großbanken. Alle anderen Ansätze wären Defensivstrategien gewesen, sagte er. Die Dresdner Bank wäre vor einem schleichenden, quälenden Rückzug aus dem Filialgeschäft gestanden. Eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent wäre für diesen Bereich auch in den kommenden Jahren nicht erreichbar gewesen. Selbst die Fusion des Retailgeschäfts mit der Deutschen Bank, wie im Herbst erwogen, hätte seiner Ansicht nach nur eine Teillösung gebracht. Dagegen sichere die Fusion 24 000 Arbeitsplätze.

Die Dresdner Bank werde ihr Retailgeschäft trotz allem mit schwarzen Zahlen in die Bank 24 einbringen, sagte Harbou. Derzeit arbeite es an der Rentabilitätsschwelle. Der Bereich der vermögenden Privatkunden habe im abgelaufenen Jahr dagegen noch einmal kräftig zugelegt und eine Rendite von mehr als 20 Prozent auf das eingesetzte Kapital erzielt.

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