Wirtschaft : Dresdner Bank: Vorstand wirbt bei Aktionären für Übernahme

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Die Börsenflaute hat auch das Geschäft der Dresdner Bank belastet. Im ersten Quartal brach das operative Geschäft um 63 Prozent ein. Vorstandssprecher Bernd Fahrholz zeigte sich auf der Hauptversammlung zuversichtlich, dass die Bank mit ihren "strategischen Weichenstellungen" gut auf die Zukunft vorbereitet sei. Details der Übernahme durch die Allianz gibt es erst Ende Mai. Aktionäre beklagen: "Die Allianz bekommt die Bank umsonst."

Die Dresdner Bank geht mit einem enttäuschenden Ergebnis im ersten Quartal 2000 in den Zusammenschluss mit der Allianz. Nach Steuern kletterte der Gewinn, wie Vorstandssprecher Bernd Fahrholz auf der Hauptversammlung sagte, zwar um gut 19 Prozent auf 159 Millionen Euro. Das operative Ergebnis brach allerdings im Vergleich zum ersten Quartal 2000 um 63 Prozent auf nur noch 253 Millionen Euro ein. Fahrholz machte dafür vor allem die Flaute an den Kapitalmärkten verantwortlich. Den geplanten Zusammenschluss mit der Allianz lobte Fahrholz erneut. "Die gemeinsame Ausgangsposition von Allianz und Dresdner Bank erweist sich als ausgesprochen günstig". Ende Mai wollen beide Konzerne die Details der Übernahme bekannt geben, Anfang Juni sollen die Aktionäre der Bank die konkrete Übernahmeofferte aus München erhalten. Sie begrüßten auf der Hauptversammlung zwar die Übernahme, kritisierten aber eine zu niedrige Abfindung.

Die Dresdner Bank erlebe mit dem Zusammenschluss einen "Quantensprung in ihrer 129jährigen Geschichte" sagte Fahrholz auf der vermutlich letzten großen Hauptversammlung der Dresdner Bank vor über 2000 Aktionären. Dem Anlass angemessen trug Fahrholz eine Krawatte mit blau-grünem Muster, den Farben der beiden Unternehmen. Zusammen mit der Allianz erreiche man eine Kundenbasis, "die ihresgleichen sucht". 37 Prozent der deutschen Haushalte, 50 Prozent der Firmen und fast alle der 200 größten deutschen Unternehmen seien Kunden von Dresdner Bank oder Allianz. Das für private Kunden verwaltete Vermögen liege bei 250 Milliarden Euro, im Vertrieb verfüge man über 12 000 Agenturen und 1100 Filialen. Über 20 Integrationsteams beider Unternehmen seien seit Anfang April intensiv an der Arbeit, die Atmosphäre der Gespräche sei gut. "Der Zusammenschluss wird eine Erfolgsstory", ist Fahrholz überzeugt. Zu Kosteneinsparungen und zu Konsequenzen für die Zentrale der Dresdner Bank sagte er nichts. Es könne allerdings sein, dass von den geplanten 300 Filialschließungen einige wenige nicht umgesetzt werden. Insgesamt will die Dresdner Bank 300 ihrer 1150 Filialen schließen.

Aktionärsvertreter begrüßten den Zusammenschluss. Sie hielten aber die Prämie, die die Allianz zahlen will, für zu niedrig. Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderte eine Sonderausschüttung für die zehnprozentige Beteiligung der Dresdner Bank an der Allianz. Hans-Georg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) reklamierte Nachverhandlungen über die Offerte. Allein mit dem Verkauf der Beteiligungen der Dresdner Bank könne die Allianz die Übernahme finanzieren. "Damit bekommt sie die Bank praktisch umsonst." Martius wünscht sich zum bisher vorliegenden Übernahmeangebot einen Allianz-Optionsschein. Damit stiege die Offerte auf rund 63 Euro. Nur wenige Aktionäre lehnen den Zusammenschluss ganz ab. "Wenn Sie mich als Aktionär nicht mehr wollen, verlieren Sie mich auch als Kunde. Auf Nimmer-Wiedersehen", sagte ein enttäuschter Anteilseigner.

Fahrholz allerdings lehnt Nachverhandlungen mit der Allianz ab. Die Übernahmeofferte sei fair und angemessen. Jeder Aktionär der Dresdner Bank soll für zehn seiner Aktien eine Allianz Aktie und 200 Euro in bar erhalten. Dies entspreche auf der Basis des Schlusskurses vom 23. März - bevor erste Spekulationen über den Zusammenschluss den Kurs nach oben getrieben hatten - einer Prämie von rund 25 Prozent. Werde allein der Wert des operativen Bankgeschäftes ohne stille Reserven in den Beteiligungen zugrunde gelegt, sei es sogar ein Zuschlag von über 40 Prozent.

Mit den Geschäftszahlen des ersten Quartals könnte Fahrholz in München ohnehin kaum mehr herausholen. Auch die Dresdner Bank musste der schlechten Lage an den Kapitalmärkten Tribut zollen. Der Provisionsüberschuss schrumpfte um 15 Prozent und das Ergebnis im Eigenhandel um fast 16 Prozent. Gleichzeitig kletterte der Verwaltungsaufwand um 16 Prozent. Der Gewinn im Geschäft mit privaten Kunden rutschte von 260 auf nur noch 91 Millionen Euro ab, im Investmentbanking halbierte sich das Ergebnis auf 310 Millionen Euro. Der Überschuss nach Steuern kletterte nur deshalb, weil die Bank vor einem Jahr Sonderaufwendungen von 440 Millionen Euro wegen der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank verkraften musste, was den Gewinn stark drückte.

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