Wirtschaft : Dresdner Bank will die Kunden der Sparkasse

Hessische Landesbank verhandelt exklusivmit Frankfurter Sparkasse – Analysten sprechen von Skandal

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main – Die Dresdner Bank hat Interesse an einer Übernahme der angeschlagenen Frankfurter Sparkasse signalisiert und damit die Debatte über die Zukunft der Branche angeheizt.

„Für uns wäre es interessant, im Raum Frankfurt als eine der wichtigsten deutschen Wachstumsregionen den Kundenstamm zu erweitern,“ sagte Herbert Walter, Chef der Dresdner Bank dem Handelsblatt. Auch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte bereits im vergangenen Jahr Interesse signalisiert. Doch gilt es als unwahrscheinlich, dass die beiden Großbanken bei der fünftgrößten Sparkasse zum Zuge kommen. Prinzipiell wäre ein Verkauf der Fraspa mit 700000 Kunden in der Region realistischer als bei anderen Sparkassen, weil sie zur kleinen Gruppe der freien Sparkassen gehört (siehe Kasten). Doch die beiden Eigentümer der Fraspa – die Stadt Frankfurt und die Polytechnische Gesellschaft, ein Zusammenschluss Frankfurter Bürger – haben sich zunächst für exklusive Verhandlungen mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) entschieden. Bis Ende Februar soll eine Absichtserklärung ausgehandelt sein. Erst falls dies scheitert, sollen Gespräche mit anderen Interessenten aufgenommen werden. „Dass hier exklusiv verhandelt wird, ist ein Skandal“, sagte Bankenanalyst Dieter Hein von Fairesearch. Die hessische Landesregierung und der Sparkassenverband hätten offenbar Druck ausgeübt und wollten einen Präzedenzfall verhindern. Die Fraspa solle „am Markt vorbei“ verkauft werden. „Wenn man eine säulenübergreifende Lösung selbst bei der Fraspa nicht hinbekommt, wie soll es dann bei anderen Sparkassen klappen?“, fragt Hein.

Metehan Sen, Bankenanalyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim sagt, die Fronten zwischen Sparkassen und privaten Banken seien zu verhärtet, als dass es zu Bewegungen kommen könnte. „Das wird noch vier bis fünf Jahre dauern.“

Auch die für das vergangene Jahr erwartete Bankenkonsolidierung – also Fusionen oder Übernahmen zwischen Deutscher Bank, Commerzbank oder Hypo-Vereinsbank – gilt bei Analysten und Experten als nicht absehbar. „Das ist 2005 nicht wahrscheinlicher als 2004“, sagte Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. „Und selbst wenn es passiert, wäre es keine bahnbrechende Änderung. Auch dann gibt es in Deutschland immer noch zu viele Banken und Sparkassen.“

Ebenso sähe Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann in einer solchen Fusion keinen Durchbruch. Wenn zwei Großbanken zusammengingen, betreffe das nur einen einstelligen Marktanteil in Deutschland, sagte er der „Welt“. Gruppenübergreifende Fusionen, wie sie in anderen Ländern schon passiert seien, wünsche auch er sich, erwarte sie aber nicht bald, sagte der Banker, dessen Haus 2004 an die Börse ging – und kurz zuvor Gegenstand von Gerüchten einer Übernahme durch die Deutsche Bank war.

Auch auf europäischer Ebene steht das Thema Bankenfusionen immer wieder auf der Tagesordnung. Am Montag kamen neue Gerüchte über einen möglichen Kauf der Hypo-Vereinsbank durch die italienische UniCredito auf.

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