Wirtschaft : Dresdner und Cobank: Banken verschärfen ihr Tempo - Fusionsentscheidung im Juli

Commerzbank und Dresdner Bank wollen offenbar bis spätestens Ende Juli entscheiden, ob eine Fusion ihrer Häuser in Frage kommt. Bankenkreise bestätigten einen entsprechenden Bericht der "Börsen-Zeitung". Offenbar hätten sich die Bankhäuser wegen zunehmender Unruhe in den Belegschaften entschlossen, das Tempo ihres Gedankenaustausches zu verschärfen, so das Blatt. Aktuell ginge es dem Vernehmen nach bei den Gesprächen nur um eine Vollfusion, nicht um eine teilweise Zusammenarbeit. Ein Commerzbank-Sprecher sagte, es handele sich um Gerüchte, die man nicht weiter kommentiere.

Der Geschäftsführer des Commerzbank-Großaktionärs Cobra, Hans Hofmann, erklärte unterdessen, er halte eine internationale, paneuropäische Lösung für weitaus attraktiver als eine Fusion mit der Dresdner Bank. "Es muss ja nicht zu einer Zerschlagung kommen", sagte er der "Berliner Zeitung". In einer rein innerdeutschen Lösung sehe er keine Synergie-Effekte, die Kunden, den Mitarbeitern oder Aktionären zu Gute kommen könnten. Sie werde nur zehntausende Arbeitsplätze kosten.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) würde eine Fusion von Dresdner und Commerzbank 20 000 Arbeitsplätze kosten. Jede fünfte der 2300 Filialen beider Institute könnte geschlossen werden, glaubt HBV-Bankensekretär Uwe Foullong. "Ein solcher Kahlschlag wäre nicht hinzunehmen." Bis dahin ist es aber ohnehin ein weiter Weg. "Derzeit ist noch völlig offen, was herauskommt", so Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm. "Wir gehen von null bis hundert alles durch."

Die Allianz AG ist bei der möglichen Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank nach den Worten ihres Vorstandschefs Henning Schulte-Noelle offen für alle Alternativen. Schulte-Noelle sagte in einem Interview mit der Pariser Tageszeitung "Le Monde", der Münchener Versicherungskonzern unterstütze alle "innovativen Lösungen, die Wert schaffen". Er persönlich "bevorzuge einen europäischen Ansatz". Der Allianz-Chef bezeichnete die laufenden Gespräche zwischen Dresdner Bank und Commerzbank als "völlig normal". Schulte-Noelle erklärte weiter, dass - im Gegensatz zu dem Aktienbesitz an der Dresdner und der HypoVereinsbank - die Allianz-Beteiligung von fünf Prozent an der Deutschen Bank keinen strategischen Charakter besitze. Mittelfristig wolle man sich von dem Anteil trennen. Über eine im vergangenen Jahr begebene Wandelanleihe reduziert die Allianz ihren Deutsche-Bank-Anteil bis 2004 auf drei von 5,7 Prozent. Die Deutsche Bank hatte ihren Anteil an der Allianz im Gegenzug vor knapp drei Wochen auf 4,1 Prozent von sieben Prozent abgebaut.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben