Wirtschaft : Dresdner und Commerz demonstrieren Selbstbewusstsein

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Gerüchte und Dementis um Übernahmen und Fusionen treiben die Kurse - Niederländische Rebon steigt bei Commerzbank einkr

Die Spekulationen um Übernahmen und Fusionen im deutschen Bankgewerbe sind am Mittwoch nicht verstummt. Die Dresdner Bank bekräftigte nach Gerüchten über eine bevorstehende Übernahme durch ein ausländisches Geldhaus ihren Willen zur Eigenständigkeit. Sie werde sich nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank aus eigener Kraft weiterentwickeln und dabei "noch konsequenter als bisher kundenorientiert ausrichten", betonte die Dresdner Bank. Der designierte Bankchef Bernd Fahrholz erklärte, sein Unternehmen werde darin vom Großaktionär Allianz unterstützt. Die Dresdner Bank versucht unterdessen, nicht nur ihre Mitarbeiter im Investment Banking bei der Stange zu halten. Sie bemüht sich auch, ihre Privatkunden zu beruhigen. "Wir bleiben Ihre Beraterbank", versichert ihnen Joachim von Harbou in einem Brief. Angaben zur Strategie für das Retail-Geschäft macht er nicht. Die überlässt Harbou, der Anfang Mai die Verantwortung für das Firmenkundengeschäft übernehmen wird, seinem Nachfolger. Der soll mit Wirkung vom 1. Mai in den Vorstand berufen werden. Sein Name: Andres Georgi. Der 42 Jahre alte Georgi, der über umfassende Erfahrungen im Kreditgeschäft verfügt, ist Mitleiter des Bereichs Privat-/Vermögensberatungskunden; zuvor war er persönlich haftender Gesellschafter der Reuschel-Bank.

Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer beteuerte in einem Interview des "manager magazin", sein Haus verfolge derzeit keine Fusionspläne. Breuer wolle seinen bis zum Jahr 2002 laufenden Vertrag als Bankchef erfüllen. Er habe nach dem Scheitern der Fusion zu keinem Zeitpunkt an Rücktritt gedacht: "Ich handele nach dem Motto, wer die Suppe eingebrockt hat, soll sie auch auslöffeln." Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank soll am Donnerstag auf einer Sondersitzung über die gescheiterte Fusion beraten.

Die Commerzbank gab am Mittwoch den Einstieg der niederländischen Investorengruppe Rebon bekannt. Das Institut erklärte, es sei darüber informiert worden, dass Rebon und deren Düsseldorfer Tochterfirma CoBRa 9,9 Prozent der Commerzbank-Stimmrechte zuzurechnen seien und dass Rebon diesen Anteil aufstocken wolle. Der Commerzbank-Vorstand sei in einem Gespräch mit Rebon zu der Überzeugung gekommen, "dass es sich dabei um ein Finanzinvestment handelt und eine Einflussnahme auf die Geschäftspolitik der Bank nicht beabsichtigt ist". Bankchef Martin Kohlhaussen betonte, er begrüße "dieses Investment im Sinne einer größeren Stabilität der Aktionärsstruktur". Er hoffe, dass auch die Gerüchte der letzten Wochen nun verstummten. Wie die Dresdner Bank war auch die Commerzbank als möglicher Übernahmekandidat gehandelt worden.

Die niederländische ABN Amro wollte Angaben der "Berliner Zeitung" nicht kommentieren, denen zufolge sie die Dresdner Bank übenehmen will. Entsprechende "hartnäckige Gerüchte" kursierten am Finanzplatz Frankfurt, meldete das Blatt am Mittwoch; auch eine noch ungenannte US-Bank ist demnach interessiert. Über den anstehenden Deal hätten internationale Investmentbanker bereits mit dem Dresdner-Bank-Hauptaktionär Allianz gesprochen. Für Donnerstag sei zudem bei der Dresdner Bank ein Spitzengespräch des Vorstands mit der erweiterten Führungsebene des Geldkonzerns anberaumt.

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