Wirtschaft : Dresdner und Commerzbank: Bereits die zweite Schlappe für die Münchner Allianz AG

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Schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit muss die lange von Erfolg verwöhnte Münchner Allianz AG mit ansehen, wie ihre strategische Beteiligung Dresdner Bank an einer Fusion scheitert. Offiziell reagierten die Münchner gefasst über die schlechten Nachrichten aus Frankfurt. Den Kurs der Dresdner, an der der Versicherer 22,7 Prozent hält, unterstütze man voll und ganz, erklärte ein Sprecher. Letzteres heißt, dass auch die Allianz als Großaktionär keine Wertgleichheit zwischen den beiden Frankfurter Großbanken sehen konnte.

Für eine solche Haltung gibt es gute Gründe. Einerseits steht die Commerzbank seit zwei Jahren unter Spekulationsdruck und kann somit als überbewertet gelten. Der Kurs der Dresdner dagegen hat unter dem gescheiterten Zusammengehen mit der Deutschen Bank gelitten.

Dennoch schien lange Zeit alles zu gelingen, woran der Assekuranz-Konzern beteiligt war. Bei der Dresdner Bank, die nach dem zweiten Flop bei Analysten langsam als unvermittelbar gilt, scheint das anders zu sein und die angebliche Allmacht der Allianz an Grenzen zu stoßen. Keinesfalls hätten die Münchner ursächlich die Gespräche zwischen ihrer Beteiligung und der Commerzbank scheitern lassen, versichern verhandlungsnahe Kreise. Zwar habe Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle am Dienstag an einem Spitzengespräch mit den beiden Bankenchefs teilgenommen, er habe dabei aber keine eigenen Forderungen gestellt. Offenbar solle der Allianz die Verantwortung für das neuerliche Scheitern der Verhandlungen in die Schuhe geschoben werden. Stimmt diese Darstellung, wären die Münchner nur auf den ersten Blick aus dem Schneider. Denn dann käme ihnen zwar keine Schuld am Platzen der Gespräche zu. Andererseits aber müsste man dem bislang vielgefürchteten "Strippenzieher" Allianz künftig fast jede Gestaltungsmöglichkeit in ihrem umfangreichen Beteiligungsbesitz absprechen. Das wäre fatal, denn für den Versicherer ist zweierlei wichtig bei der jetzigen Neuordnung der Bankenlandschaft. Zum einen wollen die Münchner möglichst im Zuge dessen ihre im Aufbau stehende Sparte Vermögensverwaltung stärken. Zum anderen hatten die Münchner auch ihr Interesse bekundet, über ein fusioniertes Bankenfilialnetz Versicherungsprodukte verkaufen zu wollen. Auch diese Option ist nun erst einmal dahin.

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