Wirtschaft : Dresdner und Commerzbank: Die Mär vom Fusionszwang (Kommentar)

Carsten Brönstrup

Allmählich wird es langweilig. Schon wieder kommt eine Fusion nicht zustande. Schon wieder ist sie offenbar gescheitert an der Engstirnigkeit von Managern, die sich geben wie zankende Kinder im Streit um das größte Stück vom Geburtstagskuchen. Und schon wieder war die Dresdner Bank dabei. Das alles ist mehr als peinlich. Denn es zeigt wieder einmal, dass es Vorständen bei einer Fusion eher um die Verteilung von Macht und Pfründen geht, als um den Mehrwert für die Aktionäre, den sie als Schlagwort so oft bemühen.

Die gescheiterte Verlobung zwischen Dresdner und Commerzbank räumt außerdem mit einer weiteren Mär auf: Der Druck zu Zusammenschlüssen in der Bankenbranche durch hohe Kosten und unrentable Filialen kann so groß nicht sein, wie ihn die Experten beschwören. Denn sonst hätten es Bernd Fahrholz und Martin Kohlhaussen eiliger gehabt, ihre Aktivitäten zu bündeln. Und sie wären zu größeren Opfern bereit gewesen. Nun preisen sie für ihre Häuser plötzlich wieder die Vorzüge des Single-Daseins. Die Frage ist, ob der Fusionszwang im Zeitalter der Globalisierung wirklich zu einem Naturgesetz geworden ist. Und ob Kosteneinsparungen durch Größenvorteile tatsächlich dem Schaden vorzuziehen sind, den eine Firmenehe anrichtet: durch demotivierte Mitarbeiter, Kompetenzgerangel und unklare Strategien eines neuen Verbundes.

Noch spricht sich der Business-Zeitgeist derzeit mit Mehrheit für Fusionen aus. Ein Zusammenschluss deutscher Banken dürfte zwar in weite Ferne gerückt sein. Ausländische Institute aber mit genügend Geld und ihrer meist höheren Börsenkapitalisierung werden sich die Hände reiben und bald für eine Konsolidierung der deutschen Bankenszene sorgen. Zur Not auch per feindlicher Übernahme. Das aber haben sich die Vorstände der Deutschen Banken selbst zuzuschreiben.

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