Wirtschaft : DresdnerBank-Chef Jürgen Sarrazin tritt zurück

Nach reiflicher Überlegung zu dieser Entscheidung gelangt

FRANKFURT (MAIN)(kr/HB).) DresdnerBank-Chef Jürgen Sarrazin tritt zurück.Nach reiflicher Überlegung sei er zu der Entscheidung gelangt, sein Mandat als Vorstandsmitglied der Dresdner Bank AG vorzeitig zu beenden, stellte Sarrazin am Dienstag in einer "persönlichen Pressemitteilung" fest.Er verweist darin auf die "Ereignisse der letzten Wochen und Monate", ohne sich freilich näher mit ihnen auseinanderzusetzen.Bis zum Jahresende werde er sich aus dem Führungsgremium der Großbank zurückziehen. Ursprünglich war vorgesehen, daß er das Sprecheramt bis zum Ende der Hauptversammlung am 15.Mai 1998 ausüben werde.Sarrazin ist seit nunmehr 37 Jahren für die Dresdner Bank tätig.Der scheidende Bank-Chef nimmt für sich in Anspruch, seinen Entschluß bereits am 26.November, mithin einen Tag nach der letzten Aufsichtsratssitzung, dem AR-Vorsitzenden Alfons Titzrath mitgeteilt zu haben.Am Abend des 27.November hatte er vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten jedoch von seiner Absicht kein Wort verlauten lassen. In den vergangenen Wochen ist Sarrazin in der Öffentlichkeit immer stärker unter Druck geraten.Ihm wurde, unter Hinweis auf bankinterne Quellen, Führungsschwäche vorgehalten und nachgesagt, daß ihm die Zügel längst entglitten seien.Vor allem dieser Umstand, so hatte es im Spätsommer geheißen, habe den Aufsichtsrat bewogen, den Vertrag von Sarrazin nicht zu verlängern, sondern im Mai 1998 auslaufen zu lassen.Außerdem wurden dem Bankier gravierende Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit und verschiedene Mißgriffe bei der Selbstdarstellung der Bank nach außen hin angelastet.Unter anderem wurde ihm das ungeschickte Taktieren im Streit mit Steuerermittlern und Staatsanwälten die der Großbank und führenden Mitarbeitern Beihilfe zur Steuerflucht vorwerfen und bei Steueraffären einzelner Top-Manager zum Vorwurf gemacht. Negativ wurde auch vermerkt, daß die Dresdner Bank etwa im Unterschied zur Deutschen Bank es versäumt habe, sich mit ihrer Vergangenheit im Dritten Reich auseinanderzusetzen.Mit seinem Schritt, so Sarrazin, wolle er es seinem Nachfolger Bernhard Walter ermöglichen, das Amt des Vorstandssprechers zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres zu übernehmen.Die Dresdner Bank sei für künftige Herausforderungen gut gerüstet.Im Rückblick auf 1997 spricht er von einem "abermals herausragenden Geschäftsjahr".Die derzeitige öffentliche Diskussion werde der Leistung der Bank nicht gerecht.Es müsse nun darum gehen, weitere Personalspekulationen zu beenden und "eine wieder konstruktive Berichterstattung zum Wohle und Ansehen der Dresdner Bank" zu fördern.Seite 2

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