Wirtschaft : Dritte Bewerbung für Euro-Bank denkbar

De Silguy will keinen Politiker PARIS/LONDON (dpa).Angesichts des Streits um die Nominierung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) hält der für Währungsfragen zuständige EU-Kommissar Yves-Thibault de Silguy eine dritte Bewerbung für möglich.Der Kandidat müsse über "eine einhellig anerkannte Kompetenz in Bank- und Währungsfragen" verfügen, sagte er im französischen Nachrichten-TV LCI am Wochenende.Für das Bankiersamt komme ein Bankier in Frage; die Wahl eines Politikers halte er persönlich für ausgeschlossen. Auch aktuelle Vermittlungsversuche der Briten haben offenbar nicht zum Erfolg geführt.Telefongespräche von Premierminister Tony Blair mit dem niederländischen Amtskollegen Wim Kok und Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac wenige Tage vor dem Brüsseler Währungsgipfel hätten keinen Kompromiß ermöglicht, schreibt der "Observer" am Sonntag.Die Blockade sei so ernsthaft, daß ein dritter Kandidat nominiert werden müsse, hieß es auch hier.Deutschland und andere EU-Länder wollen den niederländischen Präsidenten des Europäischen Währungsinstitutes, Wim Duisenberg, zum ersten EZB-Präsidenten machen.Frankreich will seinen Notenbankchef Trichet durchsetzen.Als Ersatzkandidaten sind inoffiziell die Notenbankchefs Finnlands und Spaniens im Gespräch.Die Amtszeit des EZB-Präsidenten beträgt acht Jahre.Allerdings wurde in Frankreich ins Spiel gebracht, als Kompromiß Duisenberg zu wählen und nach vier Jahren durch Trichet zu ersetzen.Dazu sagte de Silguy, der Maastrichter Vertrag verbiete eine Aufteilung der Amtszeit.Aber niemand werde gehindert, vorzeitig zurückzutreten.Er sei zuversichtlich, daß die Personalfrage auf dem EU-Sondergipfel gelöst werde. Wie berichtet, hat die Bundesbank ihre Bedenken gegen eine mögliche Amtsaufteilung zwischen dem Kandidaten der Niederländer und einer Mehrheit der EU-Partnerländer und dem der Franzosen angemeldet.In einem strengvertraulichen Schreiben an Bundeskanzler Kohl soll Bundesbankpräsident Tietmeyer dazu Stellung genommen haben.In Kreisen des Zentralbankrates verlautete, die Bundesbank hielte das für höchst bedenklich.

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