Wirtschaft : Dritte Vioxx-Klage in Deutschland eingereicht

In den USA verliert der Hersteller des Schmerzmittels Merck erneut und soll nun Millionen zahlen

Maren Peters

Berlin - In Zusammenhang mit dem umstrittenen Schmerzmittel Vioxx ist eine dritte deutsche Klage gegen den US-Hersteller Merck & Co auf den Weg gebracht worden. Der Berliner Anwalt Jörg Heynemann sagte dieser Zeitung am Donnerstag, er werde noch am selben Tag die Klage einer 41-jährigen Frau beim Landgericht Köln einreichen. Sie richtet sich gegen die deutsche Merck-Tochter MSD.

Die Arzthelferin hatte das Schmerzmittel zwei Jahre lang gegen rheumatische Beschwerden in der Schulter genommen und erst einen Herzinfarkt und später einen Schlaganfall erlitten. Die Frau sieht einen Zusammenhang mit der Vioxx-Einnahme und klagt auf mindestens 250 000 Euro Schmerzensgeld. 20 weitere Klagen von Opfern sind nach Angaben Heynemanns in Vorbereitung.

Der US-Konzern Merck, der Vioxx im Herbst 2004 wegen des Verdachts auf schwerwiegende Nebenwirkungen vom Markt genommen hatte, hat unterdessen eine Niederlage einstecken müssen. Vor einem Gericht im US-Bundesstaat New Jersey sprach eine Jury einem 77-jährigen Kläger ein Schmerzensgeld in Höhe von 4,5 Millionen Dollar zu. Der Mann hatte nach der Einnahme von Vioxx einen Herzinfarkt erlitten. Der Aktienkurs von Merck brach daraufhin ein. In einem weiteren Fall, der auch am Mittwoch entschieden wurde, entschied die Jury dagegen zugunsten des Pharmakonzerns, weil die Jury die Einnahme des Mittels nicht als Ursache des Infarkts ansah. Damit gibt es zwei gewonnene und zwei verlorene Fälle. In den USA wurden bislang fast 10 000 Klagen eingereicht. Die Geschädigten werfen Merck vor, die Risiken des Mittels verschwiegen zu haben.

Auf die Klagen in Deutschland haben die US-Entscheidungen nach Einschätzung von Anwalt Heynemann keine Auswirkungen. Anfang April entscheidet aber ein US-Gericht, ob auch deutsche Opfer in den USA klagen dürfen. Sie könnten dort ein wesentlich höheres Schmerzensgeld erhalten. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland rund 7000 Vioxx-Opfer, davon 1000 in Berlin.

Heynemann vertritt auch die beiden anderen deutschen Kläger, einen vor dem Landgericht Neuruppin, den anderen vor dem Landgericht Berlin.

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