Wirtschaft : Dritter Platz, sonst nichts

Die Fußball-WM 2006 hat die Konjunktur nicht beflügelt – trotz der hohen Erwartungen

Carsten Brönstrup

Berlin - Der Titel sollte es schon sein, dazu natürlich toller Fußball mit vielen Toren und, als Dreingabe, ein ordentliches Plus beim Wirtschaftswachstum: Die Erwartungen der Deutschen vor der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer waren nicht eben bescheiden. Mit dem Pokal hat es nicht ganz geklappt – und auch mit dem Anschub für die Konjunktur nicht. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Es habe „keine nennenswerten konjunkturellen Impulse“ gegeben. Allein „eine positive gesellschaftspolitische Bedeutung“ billigt das Berliner Institut der WM zu – weil Veranstaltungen wie diese sie zur „weltweiten Völkerverständigung“ beitrügen, wie die Forscher schreiben. Glücklicherweise ist die Wirtschaft trotzdem um 2,7 Prozent gewachsen.

Von der WM hatten sich einige Forscher einen Schub versprochen. Am weitesten war die Postbank gegangen, einer der nationalen WM-Sponsoren: Zehn Milliarden Euro an wirtschaftlichen Effekten und 10 000 Stellen hatten ihre Ökonomen versprochen. Das DIW hält diese Zahlen für zu hoch gegriffen – und findet sie angesichts von fast 40 Millionen Erwerbstätigen im Land nicht nennenswert. Auch die zusätzlichen Investitionen in neue Stadien oder Verkehrswege hätten kaum wirtschaftliche Effekte gebracht, weil der Staat Geld nur umgeschichtet, aber nichts zusätzlich investiert habe. Und selbst die Postbank-Schätzungen machten nur 0,4 Prozent aller Investitionen aus, die zwischen 2004 und 2006 in die deutsche Wirtschaft geflossen seien.

Bleiben der Tourismus und der Einzelhandel. Der Trend zu mehr ausländischen Besuchern in Deutschland halte bereits seit Mitte der neunziger Jahre an, geben die DIW-Experten zu bedenken. Bestenfalls 500 Millionen Euro hätten die Gäste im Sommer 2006 hier ausgegeben – auch dies sei angesichts der geringen Bedeutung der Gastronomie eine „zu vernachlässigende Größe“. Und selbst der Konsum soll nichts gebracht haben: In der Zeit der Fußball-WM blieb der Umsatz im Einzelhandel konstant, der private Konsum der Deutschen ging in den Sommermonaten 2006 sogar zurück. Selbst jene Käufer, die sich einen neuen Fernseher angeschafft haben, haben der Konjunktur kaum etwas gebracht – denn montiert werden fast alle Geräte ja in Fernost.

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