Wirtschaft : Drogen: Deutschland kapituliert

Aus dem Wallstreet Journal. Übersetzt,gek

Jahrelang haben alle, von George Soros über Milton Friedman bis zum Economist-Magazine, für eine rationalere Drogenpolitik plädiert. Rational - darunter verstanden sie eine Legalisierung oder zumindest Entkriminalisierung von Drogen: eine kontrollierte Abgabe, die verhindert, dass Drogen in die Hände von Minderjährigen geraten und die Sauberkeit der verkauften Drogen garantiert.

Zumindest in Europa scheint dieser Wunsch wahr zu werden. In Portugal wurde der Konsum aller Drogen von Marihuana bis Crack legalisiert. Belgien hat kürzlich Haschisch freigegeben. Die Niederlande sind mit ihren Coffee-Shops und Junkie-Unions beispiellos tolerant. Jetzt hat Deutschland vor, ein Testprojekt zu finanzieren, das die kostenlose Abgabe von Heroin und Methadon an 1200 Abhängige vorsieht. Ein ähnliches Projekt wurde in den 90er Jahren bereits in der Schweiz verwirklicht. Es hatte allerdings nicht den beabsichtigten Erfolg. Sollte es ursprünglich Abhängigen helfen, von ihrer Sucht loszukommen, verkam es bald zu einer kostspieligen Bereitstellung von Heroin. Abhängige konnten sich neun Mal am Tag eine Dosis abholen, ohne dass im Gegenzug irgendetwas von ihnen erwartet worden wäre. Ebenso wenig gab es Kontrollen, die sichergestellt hätten, dass die Süchtigen sich nicht außerhalb der Klinik, womöglich mit schmutzigen Nadeln, eine Spritze setzten. Daher trug das Projekt auch nicht zu einer Verringerung der HIV-Übertragung bei. Gleichzeitig stieg die Kriminalitätsrate in der Schweiz zwischen 1993 und 1999 um fast 40 Prozent. Man kann zwar nicht sagen, dass das eine Folge des Drogenprogramms gewesen sei. Aber man kann ausschließen, dass das Programm zur Verringerung der Kriminalität beigetragen hat. Mangels spezifischer Kontrollen ist eine Aussage darüber, welches Ergebnis das Programm überhaupt hatte, nicht möglich.

Auch andernorts sind die Ergebnisse von Drogenprogrammen nicht immer positiv. In New York City wurden die Methadonkliniken Ziel der Drogendealer, die wussten, dass dort potenzielle Kundschaft zu finden war. In Vancouver wurden Zentren, in denen es saubere Nadeln gab, zum Treffpunkt für Abhängige, die dann zwar saubere Nadeln benutzten, sich aber durch sexuellen Kontakt mit Leuten, die sie dort kennen lernten, regelmäßig mit HIV infizierten.

Schließlich darf man selbst bei positiven Ergebnissen die Kosten dieser Programme nicht vergessen. Die Kosten für das neue Projekt in Deutschland sind noch nicht beziffert worden. Es lässt sich aber leicht ausrechnen, dass es nicht gerade billig wird, 1200 Heroinabhängige nicht nur mit Heroin zu versorgen, sondern darüber hinaus die Überwachung zu organisieren und für ärztlichen Beistand zu sorgen. Und das Programm wird lediglich einem Prozent der geschätzten 120 000 Drogenabhängigen in Deutschland zugute kommen. Die Kosten könnte man verschmerzen, wenn das Programm wirklich zu einem Rückgang der Kriminalität und HIV-Infektionen führen würde. Das ist für die Drogenexpertin Sally Satel, die das Schweizer Projekt mitbetreute, aber eher unwahrscheinlich: "Drogenabhängige führen einen Lebensstil, zu dem Drogen gehören; die Drogen sind nicht Ursache dieses Lebensstils. Es wäre töricht anzunehmen, dass Menschen ihren Lebensstil ändern, wenn dieser ihnen leicht gemacht wird."

Ziel einer jeden Drogenpolitik muss es sein, den Abhängigen zu helfen, sich aus den Fängen der Sucht zu befreien. Deutschland stattdessen hisst die weiße Fahne der Kapitulation und hilft damit den Abhängigen, sich selbst zu zerstören.

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