Drogerie-Streit : Fremdfischen bei Rossmann

Die Drogeriekette dm empfiehlt Mitarbeitern, bei Schnäppchen-Angeboten der Konkurrenz zuzuschlagen - und die Artikel bei dm zu verkaufen. Ein Fall eskalierte nun.

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Ein Kundin schiebt in einer Rossmann-Filiale einen Einkaufswagen durch die Gänge.
Ein Kundin schiebt in einer Rossmann-Filiale einen Einkaufswagen durch die Gänge.Foto: picture alliance / dpa

Mit zwei vollen Einkaufswagen stand Giannina Zentrich an der Kasse einer Rossmann-Filiale in Nordrhein-Westfalen. Unter anderem wollte sie 25 Artikel von Odol, 28 von Perwoll und 75 von Guhl mitnehmen. Was für Rossmann ein Grund zur Freude hätte sein können, wurde zu einem Anlass für Ärger. Die Mitarbeiter verweigerten Zentrich den Großeinkauf. Jeweils drei Stück könne sie mitnehmen, mehr nicht! Das Unternehmen vermutete nämlich, dass die Frau die Produkte kaufen wollte, um sie in ihrer dm-Filiale teurer anzubieten. Wäre ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

Seit Wochen schon würden Hunderte von „dm-Aufkäufern“ zu Rossmann kommen, die „im großen Stil Werbeartikel aufkaufen“ würden, um die Rossmann-Aktionswerbung „massiv zu stören“ und die Artikel dann in die dm-Regale zu stellen, sagt Rossmann-Sprecher Stephan-Thomas Klose. Meist würden sie sich an die geringe „haushaltsübliche“ Mengenvorgabe halten und immer wieder über den Tag oder die Woche verteilt kleinere Einkäufe tätigen. Nicht so bei dem aktuellen Fall, der für ziemlichen Aufruhr sorgte.

„Beleidigungen“ und „Demütigungen“

Auf der Facebook-Seite von Rossmann schrieb Zentrich von ihrem „ganz persönlichen Alptraum“. Sie habe die Produkte „ohne böse Hintergedanken“ kaufen wollen, für sich, ihre Mutter und einige Bekannte in den Niederlanden. wo die Produkte deutlich teurer seien. Alle Kunden hätten mitbekommen, wie man ihr vorwarf, „Wiederverkauf zu betreiben“. Die Mitarbeiter hätten sie „beleidigt und verhöhnt“. Nachdem sie die Filiale – ohne Ware – verlassen hatte, sei sie im Auto schließlich in Tränen ausgebrochen. Der Eintrag ist mittlerweile gelöscht worden. Ihre Anzeige wegen Beleidigung soll Zentrich zurückgezogen haben.

Klose bestreitet die Vorwürfe: Die Rossmann-Mitarbeiter hätten Zentrich als dm-Filialleiterin und „Aufkäufern“ bereits gut gekannt. Sie hätten sich absolut korrekt und höflich verhalten, was Video-Aufzeichnungen beweisen würden. Von „Beleidigungen“ und „Demütigungen“ könne nicht die Rede sein. Auf ein klärendes Gespräch im Büro der Filiale habe sich Zentrich aus seiner Sicht nicht einlassen wollen. „Sie zog es vielmehr vor, lautstark an der Kasse zu protestieren.“

Wettbewerbszentrale kritisiert Strategie nicht

Dass seine Mitarbeiter bei Rossmann einkaufen, bestreitet dm keineswegs. Christoph Werner, Sohn des Gründers und Marketing-Geschäftsführer, widerspricht zwar dem Gerücht, die Firmenleitung würde intern dazu „auffordern“. Er spricht stattdessen von einer freiwilligen „zusätzlichen Einkaufsmöglichkeit für die Filialleiter“ – solange sie den Geschäftsbetrieb der Konkurrenten nicht stören. Die Zentrale stelle den Kollegen „Informationen zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen, die günstigste Einkaufsquelle für ihren Markt zu nutzen.“ Diese Quelle könnten auch Wettbewerber sein. Neben Rossmann sind zum Beispiel Aldi, Lidl, Kaufland und Müller gemeint.

Hintergrund dieser Strategie ist: Obwohl dm Marktführer in Deutschland ist, glaubt die Firmenleitung, bei Herstellern und Lieferanten Verträge zu schlechteren Konditionen zu bekommen als die Konkurrenz. So würde Rossmann etwa Zuschüsse für ihre Werbeaktionen bekommen, die dm mit seinem Dauerniedrigpreis-Prinzip eben nicht erhalte. Die Fremdeinkäufe seien also nichts weiter als eine Notwendigkeit, ja eine Gerechtigkeit – ohne jemandem zu schaden.

Die Wettbewerbszentrale beanstandet das Vorgehen von dm grundsätzlich nicht. „Rossmann kann doch froh sein, wenn die Ware gekauft wird“, sagte Sprecher Peter Brammen. „Problematisch wird es nur, wenn Kunden deswegen vor leeren Regalen stehen.“ Das sei laut Rossmann durchaus der Fall gewesen. Der Konkurrent habe schon die „gesamte Aktionsware“ abgeräumt, sagte Klose – und Mitarbeiter hätten verärgerten Kunden erklären müssen, warum die Werbeware scheinbar nicht ausreiche.

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