Drogeriemärkte : Wettlauf der Apotheken

Die Drogeriekette dm will das Arzneigeschäft bundesweit ausbauen – auch viele andere bringen sich in Position. Die traditionellen Apotheken sind skeptisch.

Maren Peters
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Doc Morris. Die bekannteste Apothekenmarke Deutschlands. Der Markt ist stark in Bewegung. -Foto: picture-alliance/dpa

BerlinDer Wettbewerb auf dem Apothekenmarkt verschärft sich. Am Donnerstag kündigte die Drogeriemarktkette dm an, ihren Versandhandel mit Medikamenten bundesweit auszubauen. Bisher können Kunden nur in knapp 90 Filialen in Nordrhein-Westfalen Pillen bestellen. „Im Sommer wird es erste Pharma- Punkte auch in dm-Märkten in anderen Bundesländern geben“, sagte die zuständige Geschäftsführerin Petra Schäfer in Karlsruhe. Nach Unternehmensangaben sollen die Medikamente zunächst in Süddeutschland angeboten werden, es gebe aber auch Pläne für Berlin.

Im Medikamentenhandel arbeitet dm mit der Versandhandelsapotheke Europa Apotheek aus Venlo zusammen. Erst Anfang der Woche hatte sich der US-Konzern Medco Health Solutions – die weltgrößte Versandapotheke – bei dem Doc-Morris- Konkurrenten eingekauft. „Diese Zusammenarbeit bietet neues Potenzial für die Expansion unseres Medikamentenservices“, erklärte Geschäftsführerin Schäfer. Die Voraussetzungen dafür hatte auch ein Gerichtsurteil geschaffen: Im März befand das Bundesverwaltungsgericht, dass Versandapotheken für ihren Vertrieb den Dienst von Drogeriemärkten in Anspruch nehmen dürfen.

Bislang sind Apothekenketten verboten

Der Apothekenmarkt ist nicht nur wegen dieses Urteils mächtig in Bewegung. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wird voraussichtlich noch in diesem Jahr ein Grundsatzurteil zum deutschen Apothekenmarkt fällen. Bislang darf ein Apotheker nur maximal vier Filialen besitzen, Apothekenketten sind – anders als in vielen anderen Ländern – verboten. Der EuGH prüft derzeit, ob die Regelung gegen europäisches Recht verstößt. Von der erhofften Liberalisierung des Apothekenmarktes wollen neben Drogerien auch Pharmagroßhändler und Einzelhändler profitieren – und bringen sich bereits in Stellung. Auch der Drogeriemarkt Schlecker ist gerade mit einer eigens gegründeten Versandapotheke in den Pillenhandel eingestiegen. Einzelhändler Rewe soll ebenfalls Pläne für den Arzneimittelversand in der Schublade haben. Europas größter Pharmagroßhändler Celesio hatte über seine Tochter Gehe bereits vor einem Jahr die holländische Internetapotheke Doc Morris gekauft, und sich damit den Zugriff auf die derzeit bekannteste deutsche Apothekenmarke gesichert.

Celesio-Vorstand Stefan Meister gibt sich angesichts der stärker werdenden Konkurrenz gelassen. „Der Einstieg von Medco bei der Europa Apotheek zeigt das hohe Interesse am deutschen Markt“, sagte der Manager dem Tagesspiegel bei der Eröffnung des neuen Hauptstadtbüros. Einen Preiskampf bei den Versandapotheken erwartet er vorerst aber nicht.

Der Pharmagroßhändler Celesio will massiv expandieren

In Deutschland verkauft der Pharmagroßhändler über Doc Morris Medikamente nicht nur via Internet, sondern auch über ein wachsendes Netz von stationären Partnerapotheken. Diese sind zwar im Besitz selbstständiger Apotheker, treten nach außen aber einheitlich mit dem grün-weißen Doc-Morris-Logo auf. In den kommenden drei bis fünf Jahren will Celesio ihre Zahl von derzeit mehr als 100 auf 500 erhöhen und peilt damit langfristig einen Anteil von 15 Prozent am deutschen Apothekenmarkt an. Der Stuttgarter Konzern besitzt schon jetzt in sieben europäischen Ländern 2200 stationäre Apotheken und hegt auch für Deutschland entsprechende Pläne. „Wir sind bestens vorbereitet“, sagte Meister. „Sobald es möglich ist, wollen wir auch in Deutschland eigene Apotheken betreiben.“

Die Befürchtung der Apothekerschaft, dass Deutschland nach der erwarteten Liberalisierung nur von wenigen Ketten dominiert werden könnte, versucht Meister zu zerstreuen. „Ich erwarte ein Nebeneinander von Individualapotheken, von kleineren und mittelgroßen Ketten, und von größeren Anbietern – genauso wie wir das in anderen Ländern auch sehen.“

Von einer Apothekenkette ist dm noch weit entfernt. Vorerst kann man dort nur Rezepte abgeben – und ein paar Tage später die Pillen in Empfang nehmen.

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