Drohende Insolvenz : Trotz Springer-Rückzug: Pin soll weiter machen

Kein tragfähiges Konzept, so lautet die Bilanz der Gespräche zwischen Axel Springer und den Gesellschaftern der Pin AG. Doch vorerst macht der Postdienstleister weiter.

Pin AG
Für die Mitarbeiter der Pin AG könnte das Weihnachtsfest einen bitteren Beigeschmack bekommen. -Foto: dpa

DüsseldorfDer Postdienstleister Pin soll trotz der gescheiterten Verhandlungen über eine neue Gesellschafterstruktur fortgeführt werden. Das teilte das Unternehmen heute in Düsseldorf mit. Der Mitteilung zufolge übernimmt der Sanierungsexperte Horst Piepenburg den Chefposten bei der Pin Group AG. Piepenburg werde „alle Optionen einer Fortführung der Unternehmensgruppe prüfen“, heißt es weiter. „Derzeit laufen alle operativen Geschäfte weiter“.

Springer: „Kein tragfähiges Finanzierungskonzept“ für Pin

Zuvor hatte der Medienkonzern Axel Springer, Hauptanteilseigner des Postdienstleisters, mitgeteilt, "dass die Gesellschafter kein gemeinsames tragfähiges Finanzierungskonzept für die Fortführung des Geschäfts der Pin Group gefunden haben“. Trotz der Bereitschaft, den eigenen 63,7-Prozent-Anteil an Pin für einen Euro abzugeben sowie zu einem „weiteren weitgehenden Forderungsverzicht“ habe aufgrund „inakzeptabler wirtschaftlicher Perspektiven“ keine Einigung zur Fortführung erzielt werden können.

Springer erklärte mit Blick auf den geplanten Post-Mindestlohn, selbst  bei optimistischen Annahmen zur Umsatzentwicklung wäre „im besten Fall“ ein weiterer Finanzierungsbedarf von 300 Millionen Euro in den nächsten Jahren erforderlich gewesen, „in anderen Fällen“ bis zu 700 Millionen Euro. Nach dem Bundestagsbeschluss zum Mindestlohn am vergangenen Freitag hatte Springer angekündigt, kein Geld für Pin mehr bereitzustellen. Das Kabinett stimmte dem Mindestlohn heute ebenfalls zu.

Verlag muss 620 Millionen Euro abschreiben

Die Pin-Gesellschafter hatten gestern bis in die Nacht über Finanzierungsmöglichkeiten verhandelt. Springer teilte heute mit, dass sich für die eigene Bilanz „in dieser Situation“ voraussichtlich ein Abschreibungsbedarf von bis zu 620 Millionen Euro ergeben werde. Dies werde sich negativ auf den Jahresüberschuss auswirken, nicht jedoch auf das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und  Firmenwertabschreibungen. Weiter hieß es: „Im Konzernabschluss wird die Pin Group AG als nicht fortgeführte Geschäftstätigkeit und damit separat ausgewiesen.“

Springer hatte nach früheren eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren rund 620 Millionen Euro in die PIN Group investiert. Der Postzusteller zahlt nach eigenen früheren Angaben im Durchschnitt der Regionen etwa 7,40 Euro Stundenlohn. Nach dem Bundestagsbeschluss sollen vom Jahresbeginn an Untergrenzen von 8,00 bis 9,80 Euro gelten.

(mit dpa)

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