Wirtschaft : Drohende Streiks bei der Lufthansa: Piloten halten Arbeitsniederlegung über Ostern für möglich

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Die Deutsche Lufthansa, Condor, Condor Berlin und Lufthansa Cargo liegen mit ihren rund 4200 Piloten nun endgültig im Clinch. Die Fluggäste der Fluggesellschaft werden sich in nächster Zeit wohl oder übel auf weitere Warnstreiks einstellen müssen. Am Montagabend hatte die Vereinigung Cockpit (VC), die Vertretung der Piloten, die Tarifverhandlungen in der vierten Tarifrunde für gescheitert erklärt - nachdem Lufthansa-Personalverstand Stefan Lauer erstmals ein Angebot vorgelegt hatte. Aber eine Steigerung der Gehälter in einer Bandbreite von zehn Prozent und 16,7 Prozent war Cockpit zu wenig, obwohl dadurch ein Jumbo-Pilot pro Jahr bis zu 342 000 Mark und ein Berufseinsteiger rund 109 000 Mark hätten verdienen können. Bei einer Laufzeit von vier Jahren entspreche dies lediglich einer jährlichen Steigerung von 2,9 Prozent, sagt Michael Mages von der Verhandlungskommission der Vereinigung Cockpit. "Das ist eine Provokation." In den kommenden Tagen sollen die Piloten zur Urabstimmung gebeten werden. Die Befragung laufe vom 9. April bis zum 3. Mai. Allerdings seien Warnstreiks auch in den Osterferien nicht ausgeschlossen. Lufthansa dagegen rechnet ihre Offerte in einen jährlichen Zuwachs von 3,5 Prozent um. Dies sei eine Basis für weitere Gespräche. Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow signalisiert weiter Verhandlungsbereitschaft. Doch davon wollen die Pilotenvertreter nichts wissen.

Die Pilotenvereinigung selbst fordert Aufschläge von bis zu 40 Prozent, aus mehreren Gründen: Zum einen sei Lufthansa mittlerweile ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen. "Der Sanierungsbeitrag der Piloten seit 1992 von rund 40 Prozent ist nicht mehr notwendig." Zudem lägen die Tariferhöhungen der letzten zehn Jahre bei der Lufthansa mehr als zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Vor allem aber reklamieren die Piloten einen deutlichen Rückstand gegenüber ihren Kollegen im Ausland. Dies hat eine gemeinsame, zwei Jahre alte Studie von Lufthansa und VC ergeben.

Längere Arbeitszeiten

Während die Lufthansa-Flugzeugführer im europäischen Vergleich bei den Brutto-Einkünften noch einigermaßen mithalten können, ist die Differenz zu den Piloten in den Vereinigten Staaten oder etwa bei Hongkongs Airline Cathy Pacific beträchtlich. Dort kommen die Piloten im Durchschnitt auf jährliche Bruttobezüge von umgerechnet etwa 550 000 Mark. Bei United in den USA sind es gut 370 000 Mark, bei Delta Airlines und bei American Airlines rund 350 000 Mark. Lufthansa-Piloten kommen dagegen im Durchschnitt netto auf knapp 98 000 bis maximal 311 000 Mark.

Dabei hätten die deutschen Piloten die meisten Flugstunden pro Jahr zu leisten. 642 Stunden sind es bei der Lufthansa, sagt die Vereinigung Cockpit, aber nur 560 bei Cathay Pacific oder rund 610 bei United Airlines. Diese Differenz will die Vereinigung Cockpit nicht akzeptieren. Deswegen fordert sie massive Aufschläge. Ein Jumbo-Kapitän in der höchsten Gehaltsstufe soll künftig rund 405 000 Mark verdienen, mit variablen Vergütungen angeblich sogar bis zu 600 000 Mark. Ein Neuling in der Pilotenkanzel käme auf knapp 115 000 Mark.

Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow allerdings warnt vor einfachen Vergleichen mit dem Ausland. "Cathay Pacific hat zu 90 Prozent ausländische Piloten. Die müssen einen zweiten Wohnsitz finanzieren. Das wird über das Gehalt geregelt." In den USA seien die Jahresgehälter grundsätzlich höher. "Dabei darf man aber hier zu Lande die Altersversorgung nicht vergessen." Außerdem hält man bei Lufthansa den Vergleich mit europäischen Airlines für relevanter. Da würden die Lufthansa-Piloten mit dem jetzt ablehnten Angebot so schlecht nicht abschneiden. So käme ein Berufseinsteiger dadurch auf ein Brutto-Jahresgehalt von knapp 108 675,24 Mark, rund 10 000 Mark mehr als bisher. Ein Kapitän im zwölften Berufsjahr würde mit knapp 213 838,64 Mark entlohnt, nach rund 194 500 Mark bislang. Und ein Jumbo-Chef käme im 30. Berufsjahr mit rund 342 533,66 Mark nach Hause, gut 26 000 Mark mehr als bisher. Gleichwohl läge die Lufthansa auch dadurch noch zum Teil deutlich mit zweistelligen Prozentsätzen hinter Air France, KLM oder auch British Airways oder Swissair. Dass die Piloten dort mehr in der Tasche haben als die Kollegen bei Lufthansa hält man in Frankfurt allerdings für kein nachahmenswertes Beispiel. Man müsse auch die hohen und dramatischen Verluste des Konkurrenten aus dem Nachbarland schauen. "Da wollen wir nicht hin", sagt Lufthansa-Sprecher Jachnow.

Konzernsprecher Klaus Walther kritisierte am Dienstag das Verhalten der Pilotenvereinigung. Der Vorstand habe den Abbruch der Gespräche "empört und mit völligem Unverständnis" zur Kenntnis genommen. VC habe das Angebot "ohne ernsthafte Verhandlungen" abgelehnt und ein "erpresserisches Ultimatum" für die Vorlage eines neuen Vorschlags gestellt.

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