Drohender Streik : Letzte Chance für die Bahn

Die Deutsche Bahn will den Streik noch abwenden - Transnet und GDBA signalisieren Gesprächsbereitschaft. Auch GDL-Chef Manfred Schell will sich Verhandlungen nicht verschließen, sieht aber kaum Erfolgsaussichten.

Berlin Die Bahn will am Wochenende in Gesprächen mit den Gewerkschaften einen "letzten Versuch" starten, um einen von der GDL für Montag angekündigten unbefristeten Streiks abzuwenden. Das kündigte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale an. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA erklärten Gesprächsbereitschaft. Eine Einladung von Bahnchef Hartmut Mehdorn sei eingegangen, und man werde sich dem nicht verweigern, sagte ein Transnet-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die beiden Gewerkschaften würden von ihrer Haltung aber nicht abweichen. Ungeachtet der Gesprächsbemühungen hat die Bahn beim Arbeitsgericht Frankfurt ein Streikverbot beantragt.

Transnet und GDBA beanspruchen inzwischen, selbst mit der Bahn über einen Lokführer-Tarifvertrag zu verhandeln. Zuvor war am Freitag ein Gespräch mit der Lokführergewerkschaft GDL über eine Kooperation aller drei Gewerkschaften geplatzt. Nach Angaben Suckales will die Bahn einen neuen Vorschlag für eine Kooperation der Gewerkschaften untereinander machen. Nähere Angaben zum Inhalt des neuen Vorschlags wurden nicht gemacht. Auch Gesprächstermine wurden keine genannt.

Im Fernverkehr könnte jeder zweite Zug ausfallen

Fernreisende und Pendler müssen sich am Montag auf einen ausgedünnten Zugverkehr nach einem Notfahrplan der Bahn einstellen. Im Regionalverkehr in Ostdeutschland sind demnach zehn Prozent des Angebots gesichert, in den alten Ländern soll es etwa die Hälfte sein. Im Fernverkehr soll jeder zweite Zug fahren, vor allem ICE. Der Notfallplan gelte am Montag unabhängig vom Verlauf der Bemühungen um eine Lösung des Tarifkonflikts, teilte die Bahn mit.

Der Konzern sei "maßlos enttäuscht", dass bisher alle Versuche für eine Kooperation zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und den größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA gescheitert seien, sagte Suckale. GDL-Chef Manfred Schell, falls eine Einladung eintreffe, werde er natürlich an einem Gespräch teilnehmen. Es könne aber kein Ergebnis bringen, wenn man die gewerkschaftliche Konkurrenz zu einer Sache miteinlade, die nur zwei Seiten betreffe. "Die Ergebnislosigkeit eines solchen Treffens mit allen drei Gewerkschaften ist vorprogrammiert", so Schell.

Die GDL hatte vor dem Gesprächsangebot bekräftigt, ihren unbefristeten Arbeitskampf wie geplant am Montag um null Uhr anrollen zu lassen. GDL-Vize Claus Weselsky sagte, während der für Montag um 10 Uhr angesetzten Verhandlung am Arbeitsgericht in Frankfurt werde der Streik nicht unterbrochen. Erst wenn das Gericht "eine rechtsverbindliche Entscheidung" gegen Streiks gefällt habe, werde die GDL sich daran halten. Suckale sagte zum eingereichten Antrag auf Einstweilige Verfügung: "Im Interesse unserer Kunden müssen wir auch dieses letzte Mittel ausschöpfen." Streiks seien unverhältnismäßig, da die GDL ihr Tarifziel erreicht habe. (ae/dpa)

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