Wirtschaft : Druck auf Autozulieferer wird noch größer

ro

Angesichts der schwierigen Lage auf dem Automobilmarkt einerseits und der mittelfristig weiteren Konsolidierung bei den Herstellern wächst der Druck auf die mittelständischen Autozulieferer. "Ein Großteil der Kostenlast wird in Zukunft auf die Zulieferer verlagert", sagte Ford-Chef Rolf Zimmermann am Mittwoch auf dem Mittelstandstag des Automobilverbandes VDA in Offenbach. VDA-Präsident Bernd Gottschalk rechnet deshalb mit weiteren Fusionen auf der Zulieferseite bis hin zu "Mega"-Firmen, aber auch mit verstärkten Kooperationen zwischen Zulieferern untereinander und zwischen Zulieferern und Autoherstellern. "Unsere Zulieferer sind schon rank und schlank. Bei einzelnen Unternehmen lässt sich kaum noch etwas abspecken." Ein "Zulieferer-Sterben" erwartet Gottschalk aber nicht. Die Zahl der Firmen in Deutschland werde aber bis 2010 auf 3000 bis 3500 sinken, vermutet Zimmermann. 2000 waren es noch 6000, 1990 noch 30 000.

Derzeit müssen sich die mittelständischen Autofirmen, die 80 Prozent der VDA- Mitglieder stellen, mit weiteren Belastungen auseinandersetzen, die die Erträge in diesem und im nächsten Jahr unter Druck bringen. Gottschalk rechnet mit einer durchschnittlichen Brutto- Umsatzrendite der Zulieferer von allenfalls drei bis fünf Prozent. Neben dem "überflüssigen" Streik, der der deutschen Automobilindustrie bisher einen Umsatzausfall von 100 Millionen Euro beschert habe, zählt Gottschalk dazu die Neuordnung des Autohandels, die geplante Lkw-Maut und die Probleme vieler Unternehmen mit den kreditgebenden Banken.

"Gerade den innovationsstarken Zulieferern dürfen bei der Finanzierung keine Knüppel zwischen die Beine geworfen werden." Dies ist nach Ansicht von Arndt Kirchhoff, Vorsitzender des VDA-Mittelstandkreises, auch deshalb wichtig, weil den Zulieferern von den großen Herstellern immer mehr Aufgaben übertragen würden. "Der Anteil der Zulieferindustrie an den Entwicklungskosten für das Automobil steigt von heute 33 Prozent auf mehr als 50 Prozent im Jahr 2010", sagt Gottschalk. Schon heute sei der Anteil der Entwicklungskosten am Umsatz bei den Zulieferern höher als bei den großen Automobilherstellern. Nach Ansicht von Ford-Chef Zimmermann werden die Zulieferer noch stärker als bisher in ein ganzes Netz der Entwicklung und Fertigung eingebunden. "Sie können dann ganze Prozesse übernehmen. Darin liegt auch eine Chance." Er betonte zugleich, dass ein großer Hersteller wie Ford mehr Interesse daran habe mit kleineren mittelständischen Zulieferern als mit wenigen großen Zulieferfirmen zusammen zu arbeiten.

Auch der VDA versucht, die Verbindungen in dieser Richtung zu stärken. Nach Angaben von Gottschalk hat der Verband in Gesprächen mit den Einkaufsabteilungen der großen Hersteller erste Erfolge für die Zulieferer erzielt. Ford etwa übernehme jetzt die Finanzierung der Werkzeugkosten wieder selbst und überlasse dies nicht den Zulieferern, die in der Regel ungünstigere Konditionen bekommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben