Wirtschaft : Druck auf die Finanzverwaltungen

Wirtschaft und Banken fordern frühe Umstellung auf den Euro / Testlauf bringt Vorteile

DÜSSELDORF.Die Hoffnungen der deutschen Wirtschaft auf eine rasche Umstellung der Verwaltung auf den Euro wachsen.Nachdrücklich unterstützen die Verbände die jüngsten Initiativen der Bundesländer Hessen und Thüringen, die frühe Verwendung des Euros auch in der Steuer- und Finanzverwaltung zu ermöglichen.Mit einer neuen Studie versuchen die Finanzminister in Wiesbaden und Erfurt derzeit ihre mehrheitlich zögerlichen Kollegen davon zu überzeugen, daß die Umstellung bereits 1999 realisierbar ist und nicht erst 2002.Der Bundesverband deutscher Banken hat in einem Schreiben an alle Länderministerpräsidenten den Vorstoß aus Hessen und Thüringen begrüßt und eine "pragmatische" Vorgehensweise der öffentlichen Verwaltung gefordert.Es sei sicher nicht zwingend erforderlich, schreiben die Banken in ihrem dem Handelsblatt vorliegenden Brief, die gesamte öffentliche Verwaltung bereits zum 1.Januar 1999 uneingeschränkt auf den Euro umzustellen.Einer möglichst frühzeitigen Umstellung gerade im Bereich der Finanzverwaltung komme jedoch besondere Bedeutung zu.Denn zwischen ihr und den am Wirtschaftsleben beteiligten Bürgern und Unternehmen finde ein intensiver Austausch von Zahlungen, Steueranmeldungen, Steuererklärungen und sonstigen Mitteilungen statt: Erst mit der Möglichkeit, zumindest einen Teil dieses Datenaustausches schon ab 1999 in Euro abzuwickeln, würde die Umsetzung der Madrider Beschlüsse ("kein Zwang, keine Behinderung") hinreichend sichergestellt. Die frühe Umstellung der Steuerverwaltung biete Vorteile: Mögliche Unstimmigkeiten oder Fehler, die bei Großvorhaben immer zu erwarten seien, könnten frühzeitig erkannt und bereinigt werden.Es würde zudem die Möglichkeit eröffnet, Fragen, die sich erst in der praktischen Anwendung zeigen, zu einem Zeitpunkt zu klären, bei dem aller Voraussicht nach nur ein Teil der Steuerpflichtigen die neue einheitliche Währung nutzen werde.Darüber hinaus könnte die Verwaltung auf die Erfahrungen zurückgreifen, die die Wirtschaft bereits gemacht hätte.Die Banken weisen auch auf ein psychologisches Moment hin: Der öffentlichen Verwaltung komme als wichtiges Bindeglied zwischen Bürger und Staat bei der Umstellung auf den Euro eine Schrittmacherrolle zu.Wenn der Staat selbst die Nutzung des Euros verzögere, müsse dies bei den übrigen Mitgliedstaaten, aber auch bei den Bürgern im eigenen Land, Irritationen auslösen, die das Vertrauen in den fortschreitenden Prozeß der europäischen Integration nachhaltig gefährden könnten.Andere europäische Länder hätten bereits angekündigt, wesentliche Bereiche ihrer Finanzverwaltung zum Jahresanfang 1999 auf Euro umzustellen.MARC BEISE (HB)

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